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Der Mörder von nebenan

Shownotes

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Zur aktuellen Folge:

An einem verregneten Wintertag im Jahr 1979 verschwindet ein 15-jähriges Mädchen spurlos und wird kurz darauf brutal ermordet aufgefunden. Eine vielversprechende Täterjagd beginnt, doch dann erkalten alle Spuren. 40 Jahre später wird der Fall wieder aufgerollt. Und damit die Frage: Hatten sie den Mörder die ganze Zeit vor Augen?

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Transkript anzeigen

00:00:10: Christoph sah von seinem Monitor auf.

00:00:13: Das Büro lag im Dunkeln, wie so oft war er der Letzte!

00:00:18: Seine Kolleginnen und Kollegen waren längst nach Hause gegangen aber er war mit seinem Projekt kurz vor dem Durchbruch.

00:00:26: Aufgeben kam nicht in Frage – so war er nun mal.

00:00:31: Er geizig, zielstrebig ein Perfektionist.

00:00:37: doch dann spürte er, wie ausgetrocknet seine Kiele war.

00:00:41: Es war dringend an der Zeit für eine Erfrischung.

00:00:45: Und Christoph wusste genau, wo er sie finden würde.

00:00:51: Steif erhob er sich und ging zur Teeküche.

00:00:54: Allein der Gedanke an sein Lieblingsgetränk gab ihm neuen Auftrieb – vielleicht ein fruchtiger Eistee?

00:01:01: Wie damals in seiner Kindheit nur ohne Zucker.

00:01:06: oder doch die Sorte Hydration!

00:01:08: Er hatte schließlich seit Stunden nichts getrunken.

00:01:11: oder einer dieser cremigen Milchshakes von denen er problemlos einen Liter hätte trinken können.

00:01:19: Aber eigentlich war das egal!

00:01:21: Die verschiedenen Sorten von Holy waren alle extrem lecker, doch der Abend würde noch lang werden – also entschied er sich pflichtbewusst für ein Energy-Drink ganz ohne Taurin selbstverständlich.

00:01:35: Ach was war er doch vernünftig?

00:01:39: Leisesummend zog ihr die Schublade mit den Holy-Sachets auf Doch sie war leer.

00:01:46: Christoph erstarrte.

00:01:48: Kein einziges Päckchen war übrig.

00:01:51: Nur ein kleines Post-It lag auf dem Boden des Schubfachs, mit zittrigen Fingern hob er es auf.

00:01:59: «Schauer!« stand darauf geschrieben.

00:02:03: »Könns genau!

00:02:04: Ein eiskalter Schauer lief ihm über den Rücken.

00:02:07: Wer zur Hölle war das?

00:02:09: Wut entbrannt wollte er den Zettel zerknüllen – als ihn einen Gedanke traf.

00:02:15: Natürlich!

00:02:16: Das mußte es sein.

00:02:19: Er eilte zurück an seinen Platz Öffnete die Holy Webseite und packte hektisch all seine Lieblingsorten in den Wagenkorb.

00:02:27: Mit klopfendem Herzen gab er das Wort ein, was auf dem Zettel gestanden hatte.

00:02:32: Schauer!

00:02:34: Der Rabatt wurde abgezogen.

00:02:37: Zehn Prozent Christoph atmete auf.

00:02:42: Mit seinen Kolleginnen und Kollegen hatte er trotzdem noch einen Hühnchen zu rupfen – so viel stand fest.

00:02:49: Den Code würde er jedoch von nun an wie ein Geheimnis hüten.

00:02:54: Sorgfältig legte er den Zettel in seine oberste Schreibtischschublade und wandte sich wieder seinem Monitor zu.

00:03:01: Nicht ahnen, das ein paar Tische weiter noch jemand im Dunkeln saß – und alles beobachtet hatte!

00:03:25: Der Mörder von nebenan Robert traute sich zunächst kaum von der Tischplatte vor ihm aufzusehen als die Tür aufschwangen und der Angeklagte, in Handschellen und begleitet von Polizeibeamten den Gerichtssaal betrat.

00:03:54: Über vierzig Jahre hatte er ihn nicht mehr gesehen.

00:03:58: Robert hatte Angst vor dem Gefühlen, die ein einziger Blick in die Augen seines Gegenübers auslösen würde.

00:04:05: Würde er Ekel-und Abscheu empfinden?

00:04:08: Eine bodenlose Traurigkeit?

00:04:11: oder war er nach all den Jahren voller Ungewissheit mittlerweile taub geworden?

00:04:17: Schließlich wagte und richtete den Blick auf die Anklagebank.

00:04:23: Viel gab es zunächst nicht zu sehen, denn der Tatverdächtige schützte sein Gesicht und seine Identität mit einem Hefter als das Blitzlichtgewitter der Presse auf ihn niederging.

00:04:35: Doch schließlich mussten die Journalisten den Verhandlungsraum verlassen und er angeklagte – ob er wollte oder nicht – sich zu erkennen geben.

00:04:44: Er ließ den Hefter sinken und starte wie eben noch Robert ausdruckslos auf die Tischplatte vor ihm.

00:04:54: Robert betrachtete den Mann, der das Unfassbare getan haben soll und ihn nun mit nur wenigen Metern Abstand gegenüber saß – und zu seiner eigenen Überraschung fühlte er fast so etwas wie Mitleid.

00:05:09: Die Polizei hatte ihm bereits mitgeteilt, dass Siegfried P. an einer chronischen Krankheit leide und deswegen gesundheitlich stark belastet sei.

00:05:19: Als Robert den Angeklagten zuletzt sah war dieser siebzehn Jahre alt gewesen, ein Draufgänger mit wilden, lockigen Haaren.

00:05:28: Ein Rebell der einen ungebautes Mopedfuhr und Bier trank – Dinge die dem damals vierzehnjährigen Robert imponierten!

00:05:38: Doch am heutigen achten Januar zwei Tausendzwanzig, den Prozess auftackt gegen den fünfzigjährigen Sigrid P., war von dem einstigen Halbstagen nicht mehr viel übrig.

00:05:50: Ein verhärmtes kleines Männchen hockte da auf der Anklagebank, in sich zusammengesunken und mit furchtsamen Augen.

00:06:02: Und dennoch wollte Robert sich nicht von diesem trägerischen Bild täuschen lassen – er schloss die Augen!

00:06:08: Es war wieder das Jahr neunzehundertneunundsiebzig ein regnerischer Dezember-Tag im Aschaffenburg.

00:06:17: Der Tag, an dem Robert Juncker seine Schwester Christiane zum letzten Mal lebend sehen würde.

00:06:28: Christiana war ein beliebtes Mädchen gewesen.

00:06:32: Er introvertiert und ruhig, dabei jedoch keineswegs auf den Mund gefallen – sie war intelligent und ehrgeizig!

00:06:40: Als Tochter einer gewöhnlichen Arbeiterfamilie wollte sie es schon seit ihrer frühesten Jugend zu etwas bringen.

00:06:47: Sie hatte gerade erst ihren Schulabschluss gemacht und eine Ausbildung in einer Steuerkanzlei begonnen.

00:06:53: Doch all die Träume und Ambitionen, sollten keine Erfüllung finden.

00:07:01: Christiane war sehr hübsch, und das wußte nicht nur ihre Familie.

00:07:05: In ihrem Viertel-und in der Nachbarschaft kannte man das Mädchen mit den dichten dunkelblonden Haaren – und viele Jungs im Ihrem Alter hatten sich heimlich in sie verknallt.

00:07:16: Christianes sechzehnter Geburtstag stand bald bevor und sie hatte angefangen hier und dort mit ihren Verehrern auszugehen.

00:07:24: Nichts Verbindliches!

00:07:25: Und auch nichts Ungehorsames!

00:07:27: Denn das wollte ihr Vatern.

00:07:30: Er hatte stets seine schützende Hand über seiner älteste Tochter gehalten.

00:07:37: Und doch hatten die Eltern Christiane und ihrem anderthalb Jahre jüngeren Bruder Robert schon früher ein paar Freiheiten eingeräumt, um sie zu mehr Selbstständigkeit zu erziehen.

00:07:48: Die Paterewohnung in dem Arbeiterviertel Damm war günstig – aber eng für die Familie!

00:07:53: Weshalb die Eltern ab neunzehntundhundertsiebzig die Wohnung gegenüber auf derselben Etage anmieteten?

00:08:01: Wo Christiane fortan ihr eigenes Reich hatten.

00:08:06: Die Wohnung der Geschwister war auch der Ort, wo Robert und Christiane ein letztes Mal aufeinandertreffen sollten.

00:08:14: Gegen siebzehn Uhr dreißig kam die Junge Auszubildende an jenem achtzehnten Dezember in neunzehntundundsiebzig von der Arbeit.

00:08:22: Hier blieb allerdings nur wenig Zeit für einen kurzen Austausch mit ihrem jüngeren Bruder, der gerade über seinen Hausaufgaben saß.

00:08:30: Wie immer hatte sie dienstags üblicherweise ihren Stenografiekurs Und dieser ging von acht zehn Uhr bis neunzehn Uhr dreißig.

00:08:38: Ein langer Arbeitstag für ein gerade mal fünfzehnjähriges Mädchen.

00:08:43: Zum Stenografie lernen musste Christiane in die Kolbingschule, deren Gebäude in der Innenstadt Aschaffenburgs lag.

00:08:51: Fünfzehn Minuten Fußweg waren es von ihrer Wohnung im Stadtteil Damm über den sogenannten Dammersteg eine Gleisbrücke für Fußgänge bis zu der Schule – eine Strecke, die Christiane regelmäßig ging.

00:09:05: Für gewöhnlich war Christiane bei ihrem Rückweg nach Hause allerdings nicht allein und wurde von zwei Freundinnen aus dem Kurs begleitet, die einen ähnlichen Heimweg hatten.

00:09:16: Doch an diesem Abend waren beide Klassenkameradinnen unglücklicherweise verhindert – weshalb die fünftzinierige allein zurücklaufen musste — was ihr schon wegen des nasskalten Regens und der Dunkelheit sicherlich nicht sehr behagte.

00:09:31: Gegen neunzehn Uhr fünfunddreißig nach Ende des Kurses sah eine weitere Mitschülerin Christiane gerade in einer Drogerie in Richtung Dammersteg vorbeilaufen.

00:09:41: Die Mitschülerin hatte sich von ihrem Vater abholen lassen und zögerte, ob sie ihn bitten solle, dass er Anhalte und Christiane mitnehme.

00:09:50: Doch das Mädchen entschied sich dagegen, da sie Christiane nicht so gut kannte und nicht ausdringlich sein wollte.

00:09:57: Nicht ahnend, dass ihr Angebot ihrer Mitschülerin wirst wahrscheinlich das Leben gerettet hätte!

00:10:05: Auch die Eheleute Junker hatten ein schlechtes Gefühl dabei, dass ihre Tochter jeden Dienstag durch die Dunkelheit nach Hause laufen musste.

00:10:13: Entsprechend alarmiert war Christiane's Mutter, als sie an jenem verhängnisvollen Abend um zwanzig Uhr immer noch nicht zuhause war.

00:10:22: Der arglose jüngere Bruder bekam dies hautnah zu spüren, als seine Mutter aufgeregt an die Tür der angemitteten Nachbarwohnung klopfte.

00:10:32: »Ist deine Schwester wieder Zuhause?« fragte sie Robert aufgewühlt.

00:10:38: antwortete dieser verdattert.

00:10:40: Sie müsste doch bei euch sein!

00:10:44: Die Eltern verloren keine Zeit.

00:10:46: Sie wussten, dass der Weg von der Kolpingschule bis zu ihnen ins Viertel nicht länger als fünfzehn Minuten dauerte.

00:10:53: Also zogen sie sich an und liefen die Strecke gemeinsam ab.

00:10:57: Robert wartete derweil in der älterlichen Wohnung.

00:11:00: Kurz darauf kamen sie zurück – ohne Christiane.

00:11:04: Der Vater griff zum Telefon.

00:11:07: Er rief bei der Polizei an und meldete Christiana vermisst.

00:11:11: Es war das erste Mal, dass Robert diese unbestimmte schreckliche Angst spürte.

00:11:17: Christiane war verschwunden!

00:11:20: Dieser Gedanke allein war für ihn vollkommen unfassbar und ungeheuerlich.

00:11:28: Die Suche nach Christiane sollte die ganze Nacht andauern.

00:11:32: Robert – für den am nächsten Morgen ein ganz gewöhnlicher Schultag anbrechen würde – wurde schließlich ins Bett geschickt.

00:11:40: Wenn ich aufwache ist sie ganz bestimmt wieder da.

00:11:43: Tröstete sich der vierzehnjährige in den Schlaf.

00:11:46: Er überlegte sich unzählige Szenarien, weshalb jene Schwester nicht pünktlich nach Hause gekommen war.

00:11:53: Bestimmt war sie bei ihrer besten Freundin und hatte die Zeit vergessen oder vielleicht war sie be einem ihrer Verehrer – der Junge, der sie neulich von ihr Disco nachhause gebracht hätte.

00:12:06: Doch so schillernd und naheliegend sich Robert all diese möglichen Erklärungen ausmalte.

00:12:11: Keine von ihnen traf auch nur ansatzweise zu.

00:12:15: Stattdessen sollte er schon bald erfahren….

00:12:17: welch grausames Schicksal seine blutjunge Schwester ereilt hatte.

00:12:26: Ein neuer Tag brach an und Christiane war noch immer nicht nach Hause gekommen.

00:12:32: Robert wurde am Morgen wie üblich in die Schule geschickt, währenddessen ging im zwei Kilometer entfernten Schlossgarten des Wahrzeichens von Aschaffenburg dem Schloss Johannesburg ein Parkwächter seinen morgendlichen Kontrollgang nach.

00:12:47: Als er am sogenannten Frühstückstempel vorbeikam der sich auf einer eingezäunten Anhöhe befand, sah er auf dem Boden verstreute Kleidung.

00:12:57: Eine Jeans, eine Strumpfhose, eine Unterhose und dazu eine umhängige Tasche aus Kord.

00:13:04: Der Parkwächter fand den Fund vom ersten Moment an.

00:13:06: ungewöhnlich also hob er die Kleidungsstücke auf, faltete sie sauber zusammen und legte sie unter einem Baum.

00:13:14: dann jedoch entdeckte er etwas anderes was ihn noch mehr beunruhigte.

00:13:19: von den liegen gelassenen Kleidungen aus Führte eine Schleifspur zu dem Geländer, das die Anhöhe umfasste.

00:13:27: Dort sah der Wächter nun einen silbernen Armrei fliegen.

00:13:31: Als er dann über das Geländer schaute, offenbarte sich ihm schließlich das eigentliche Ausmaß des Krauns.

00:13:38: am Fuße der Anhöre.

00:13:40: in etwa vierzehn Metern tiefer lag hinter einem Nebengebäude des Parks ein liebloser Frauenkörper.

00:13:51: Die Polizei wurde gerufen und begann sofort mit der Ermittlungsarbeit.

00:13:56: Schon bald darauf stand fest, die Tote war die fünfzehnjährige Christiane Juncker.

00:14:03: Als ihre Familie an jenem tiefschwarzen neunzehnten Dezember darüber in Kenntnis gesetzt wurde, zerbrach ihre kleine Welt in tausend Scherben.

00:14:12: und nicht nur für Robert seine Eltern und das jüngste Geschwisterkind war die Nachricht ein Schock!

00:14:18: In den folgenden Tagen und Wochen war ganz Aschaffenburg völlig erschüttert.

00:14:23: Viele hatten Christiane das hübsche ehrgeizige Mädchen gekannt Und ebenso viele Eltern fragten sich, wo war der Täter und würde er von meinem eigenen Kind halt machen?

00:14:39: Von der ersten Minute an lastete folglich auf der Aschaffenburger Polizei ein enormer Aufklärungsdruck.

00:14:46: Noch am selben Tag richtete man eine Sonderkommission zur Ergreifung von Christianes Täter ein.

00:14:52: Die Spuren am Tatort lieferten bereits ein eindeutiges Bild.

00:14:56: Christiane war neben dem Frühstückstempel niedergeschlagen und anschließend in einen Gebüsch geschleift worden, wo der Täter sie erwirkt hatte.

00:15:06: Anschließend hat er das bewusstlose oder bereits tote Mädchen zurück auf den Vorplatz gefleift und über des Geländer in die Tiefe gestoßen.

00:15:16: Aus dem Vorgehen des Täters konnten die Ermittler bereits zwei wesentliche Merkmale ableiten.

00:15:21: Zum einen war er nachlässig vorgegangen – er hatte zwar die Leiche grob aus dem Sichtfeld beseitigt, ihre Kleidung und die Schleifspur auf dem Kiesweg jedoch nicht entfernt.

00:15:32: Dies musste bedeuten, dass er die Tat nicht geplant sondern womöglich impulsiv gehandelt hatte und anschließend in Panik verfallen war.

00:15:42: Außerdem machte die Spuchenlage den Eindruck als würde der Täter sich im Schlossgarten besonders gut auskennen.

00:15:48: Dieser wurde in den Wintermonaten zwar abends abgeschlossen allerdings gab es neben dem Eingang ein verstecktes Schlupfloch durch welches man sich unerkannt trotzdem Zugang zum Park verschaffen konnte.

00:16:02: Dies brachte die Ermittler zu ihrer nächsten wichtigen Hypothese.

00:16:07: Der Schlossgarten lag nicht mal ansatzweise auf Christianes Heimweg von der Kolpingsschule bis zur Wohnung, genauer lag der Frühstückstempel also der Ort wo man das Mädchen ihn abgestoßen hatte in entgegensetzter Richtung von der Stenografieschule und damit nur fünfhundert Meter von dem Ort entfernt wo die Zeugen und ihr Vater vom Auto aus Christiane zuletzt gesehen hatten.

00:16:30: Dies lieferte dem Ermittlungsteam eine zentrale Erkenntnis.

00:16:34: Der Täter hatte die fünftienjährige, nicht zu Fuß, fünfhundert Meter weit bis zum Schlossgarten getragen – noch dazu zu einer Tageszeit, zu welcher sich durchaus ein paar Menschen auf den Straßen erschaffen Burgs befanden.

00:16:49: Stattdessen war Christiana freiwillig mit ihm mitgegangen.

00:16:52: Sie hatte ihren Täter bekannt!

00:16:57: Während die Ermittler bereits zahlreiche Bekannte, Freunde und auch Verehrer aus Christianus Umfeld vernamen ging am XXI.

00:17:05: Dezember drei Tage nach der Tat ein wichtiger Anruf bei der Polizei Aschaffenburgs ein.

00:17:11: Ein anonymer Hinweisgeber meldete sich bei den Beamten und rückte einen jungen Mann in dem Fokus, den man bei den Ermittlungen bis dato noch nicht auf dem Radar hatte – ein Nachbarsjunge, der im selben Haus wie Christianes Familie wohnte.

00:17:26: Sein Name?

00:17:27: Siegfried Peh.

00:17:30: Der siebzehnjährige hatte zum damaligen Zeitpunkt bereits einige Delikte anhängig.

00:17:35: Allerdings waren dies ausnahmslos Fälle von Einbruch und Diebstahl.

00:17:39: Zuletzt hatte man ihn für ein gestohlenes Moped verurteilt, und er war aktuell auf Bewährung.

00:17:46: Ebenfalls relevant?

00:17:47: Siegfried Pee trieb sich regelmäßig im Schlossgarten herum – und kannte den Park wie seine Westentasche!

00:17:57: Man bestellte Siegried Pee zur Vernehmung ein.

00:18:00: Der siebzehnjährige wirkte in Befragungsraum sehr nervös und verstrickte sich bei seinen Aussagen in zahlreiche Widersprüche.

00:18:07: Ein Alibi für den fraglichen Tatzeitraum konnte er ebenso nicht nachweisen.

00:18:13: Die Polizei schien nun endlich eine heiße Spur zu haben, so maßig bald darauf eine weitere Zeuge meldete und Siegfried Peh mit ihrer Aussage erheblich belastete.

00:18:27: Es handelte sich dabei um ein vierzehnjähriges Mädchen namens Carmen F., das wenige Monate zuvor noch mit dem Tatverdächtigen zusammen gewesen war.

00:18:36: Carmen F. erzählte den Ermittlern von einem gewaltvollen Zwischenfall der sich während ihrer Beziehung ebenfalls im Schlossgarten von Aschaffenburg ereignet hatte.

00:18:46: Am achtundzwanzigsten Oktober neunzehntneunundsiebzig war das Teenager Pärchen in den Schloßgarten gegangen, um ungesehen herumknutschen zu können.

00:18:56: Siegfried Pehe wollte allerdings einen Schritt weitergehen und Sex mit der vierzehnjährigen – was diese wiederum nicht zuließ!

00:19:03: Das Mädchen begann sich zu wehren, woraufhin Sieg Fried Pehe sie zur Wirkung versuchte.

00:19:08: Mit letzter Kraft Riss sie sich schließlich los und lief davon.

00:19:13: Im Wegglaufen sah sie den Siebzehnjährigen, wie er auf seine Hände starte und zu sich selbst murmelte.

00:19:19: Was habe ich getan?

00:19:24: Für die Polizei hatte sich nun endgültig ein Schlüssigesbild zusammengesetzt.

00:19:29: Siegfried Peh kannte Christiane Junker gut – das Mädchen passte in sein Beuteschema!

00:19:34: Er kannte sich ebenso in dem Schloßgarten sehr gut aus und hatte dort nur zwei Monate zuvor einem anderen Mädchen gegenüber Gewalt angewendet.

00:19:43: Für die Ermittlungskommission war der Fall nun Glas klar und man steckte Siegfried P. in Untersuchungshaft, bis jemand völlig unerwartet den Verdächtigen mit einem Alibi entlastete.

00:19:59: Wie gesagt, der siebzinjährige Kleinkriminelle war bei der Polizei von Aschaffenburg absolut kein Unbekannter mehr – und zahlreiche Beamte hatten mit ihm bereits zu tun gehabt.

00:20:11: So auch der Polizist Stefan Hart, der in der Nacht von Christianes Ermordung zusammen mit einem Kollegen auf Zivilstreife war.

00:20:20: Das zweiköpfige Team war auch nach Hause zu Familie Junker geschickt worden und hatte dort die Vermisstenanzeige aufgenommen, nachdem die Eltern die Polizei informiert hatten.

00:20:32: Stefan Hart und sein Kollege waren an diesem Abend allerdings zuvor schon auf Streife gewesen und hatten dabei eine besondere Begegnung mit jemandem gemacht – man hat sie zuvor zur Schlichtung einer Handgreiflichkeit in einer Bar bestellt die sich in der Ombachskasse, in der Aschaffenburger Altstadt zugetragen hatte.

00:20:52: Der Streifenpolizist Hart gab an – er habe den verdächtigen Siegfried Pee an jenem Abend dort ebenfalls auf der Straße gesehen und datierte die Sichtung auf ca.

00:21:01: neunzehn Uhr siebenunddreißig also genau jenes Zeitfenster als Christiane von dem Täter in den Schlossgarten gelockt worden war.

00:21:11: Die Ombachtskasse befand sich ca.

00:21:13: fünfzehn Minuten zu Fuß von dem Frühstückstempel entfernt wo man später Christianes Leichnam fand.

00:21:20: Sofern die Zeitangabe des Zivilpolizisten zutraff, konnte Siegfried P., also unmöglich der Täter sein.

00:21:30: Das befand auch der Untersuchungsrichter und ließ den Tatverdächtigen unverzüglich wieder frei.

00:21:36: Doch die Sache hatte einen großen Haken.

00:21:38: Stefan Hart hatte den Bericht zu der Sichtung des Tatverdechtingen nicht etwa am selben Abend von Christianes Ermordungen verfasst.

00:21:46: Stattdessen hatte er ihn erst am elften Januar, den Jannuern

00:21:50: n.a.,

00:21:50: geschrieben – also gut drei Wochen später und zwar auf Anfrage seines Vorgesetzten.

00:21:56: Wie verlässlich war die Erinnerung des Streifenpolizisten zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch?

00:22:04: Doch vielleicht war es der Aschaffenburger Polizei so leicht gefallen, den verdächtigen Sekret P wieder laufenzulassen, weil sie zu dem Zeitpunkt noch weitere vielversprechende Spuren zu anderen möglichen Tätern hatte!

00:22:16: die allerdings allesamt ins Leere verliefen.

00:22:21: Nach Monaten intensiver Ermittlungsarbeit und der Vernehmung Tausender Zeugen stand die Polizei wieder mit leeren Händen da, zu der tiefen Verzweiflung – und Trauer von Christianes Angehörigen – gesellte sich nun zunehmender Frust über die ausbleibenden Ergebnisse und die gescheiterte Tätersuche.

00:22:42: Insbesondere Christianes Vater Waldefried Juncker Zerbrach an dem schmerzhaften Verlust seiner Tochter.

00:22:49: Er schlief kaum noch, und er erschien vollkommen übernächtigt zu seinen Schichten als Gleisarbeiter – was schließlich am dreißigsten September in einen tödlichen Arbeitsunfall mündete.

00:23:02: Für die Hinterbliebenen eine weitere Tragödie bin weniger Monate.

00:23:09: Derweil ging der Mordfall Christiane Juncker schleichend in einen Zustand überall, den die Polizei als ausermittelt bezeichnete.

00:23:17: Jeder einzelnen Spur war nachgegangen worden.

00:23:20: Jede Zeugenaussage hatte man verschriftlicht und geprüft, die Ermittlungen wurden eingestellt – und so wurde aus einem Verbrechen dessen Aufklärung eins zu vielversprechend begonnen hatte?

00:23:32: Stießlich ein Cold Case!

00:23:34: Ganze vierzig Jahre lang lag der Altfall Christiane bei der Aschaffenburger Polizei in einer Schublade bis ein neuer Dezernatschef ihn wieder hervorholte und eine Sonderkommission, die Geschichte des einst so brutal ermordeten Mädchens im Jahr zwei Tausend Neunzehn wieder auf wollte.

00:23:58: In der Hoffnung auch nach vier Jahrzehnten neue Hinweise in den Unterlagen zu finden gab man die Akte an die Altfallermittlerin Rosita Liotta –die bewusst unkonventionell mit der Vielzahl an gesammelten Informationen umgingen.

00:24:14: Sie las die Akthe absichtlich von hinten nach vorne unmöglichst unvereingenommen auf die Ermittlungen zu schauen und sich nicht von den Schlüssen, die ihre Kollegen damals gezogen hatten, beeinflussen zu lassen.

00:24:27: Als sie schließlich bei Spur eins – also den Informationen zu Siegfried P., ganz zu Beginn der Ermittlung ankam – ließ sie mit weit aufgerissenen Augen den Hefter sinken.

00:24:38: Natürlich!

00:24:39: All die Jahre konnte nur er es gewesen sein.

00:24:43: Besonders überzeugend fand Ermittlerin Leotta dabei die Aussage der Ex-Freundin von P. Der gleiche Tatort, das gleiche Motiv, das Wirken des Opfers – Das alles konnte doch kein Zufall sein!

00:24:58: Doch auch sie war natürlich über das entlastende Alibi gestolpert, dass der Kollege Stefan Hart von der Zivilstreife dem damaligen Tatverdächtigen verschafft hatte.

00:25:08: In der erneuten Konfrontation mit dem damals geschriebenen Bericht ruderte Hart nun zurück und gab zu, zu der er Siegfried Peh in der Umwachsgasse gesehen haben wollte, tatsächlich nur geschätzt hatte.

00:25:22: Nicht ahndt, dass er den mutmaßlichen Täter damit ein wasserdichtes Alibi verschafft hatte – einen Eingeständnis eines eklatanten Fehlers das leider vierzig Jahre zu spät kam.

00:25:37: Doch damit war der Abschluss des Fals und eine längst überfällige Verurteilung von Sieg Fried Peh leider immer noch nicht eingetütet.

00:25:45: Den Abgesehen von den zahlreichen Indizien die man gesammelt Gab es nicht einen handfesten Beweis zu Pehs Täterschaft.

00:25:53: Und nach mittlerweile vierzig Jahren gab es auch keine Aservate mehr, die man beispielsweise auf DNA-Spuren von Siegfried Peh hätte überprüfen können.

00:26:03: Was also tun?

00:26:05: Akribisch suchten Leotter und ihr Team nach irgendetwas beweiscräftigem in der Mordakte – und blieben schließlich an einem Foto von einem Zahnabdruck hängen!

00:26:14: Der Täter hatte sein Opfer vor der Tötung offenbar in die Brust gebissen und dort einen dunkelroten Abdruck hinterlassen.

00:26:22: Um nachzuweisen, dass es sich dabei tatsächlich um die Zahnreihe von Siegfried P. gehandelt hatte, forderte man die damaligen Zahnarztunterlagen an – und gab beides an eine relumierte Zahnforensikerin zur Prüfung.

00:26:36: Das Ergebnis der Expertin?

00:26:38: Aufgrund einer Anomalie in der unteren Gebissreihe des Tatverdächtigen konnte sie die Bisspur auf dem Foto diesen eindeutig zuordnen!

00:26:48: Das reichte aus, um Siegfried P. als Täter rechtskräftig verurteilen zu können.

00:26:55: Endlich wurde dem mittlerweile siebenfünfzigjährigen Frührentner – der noch immer im Raum Aschaffenburg wohnte – der Prozess gemacht.

00:27:04: Unmittelbar nach Erstellung des zahnmedizinischen Gutachtens in April-zweißundneinzehn nahmen Siegried P. fest und steckte ihn bis zur Gerichtsverhandlung in Untersuchungshaft.

00:27:15: Während dieser Zeit meldete sich obendrein noch ein Mithäftling bei der Ansteigleitung und behauptete, Siegfried Peh habe ihm gegenüber den Mord an Christianen in einem vertraulichen Gespräch gestanden.

00:27:28: Da der betreffende Zeuge allerdings zuvor schon unter Eid in seinem eigenen Verfahren gelogen hatte, stufte man seine Aussage als nur wenig glaubwürdig ein.

00:27:39: Am achten Januar Zwei-Tausendzwanzig begann am Landgericht Aschaffenburg schließlich der Prozess gegen Siegried Peh.

00:27:48: Während Christiane Junkers Angehörige Und insbesondere ihr jüngerer Bruder Robert, sich wenig Hoffnung auf eine Verurteilung machten, waren Ermittler und Staatsanwaltschaft zunächst sehr optimistisch.

00:28:01: Bis ca.

00:28:01: vier Wochen später ein herber Rückschlag folgte – nachdem die Zahnforensikerin ihre Erkenntnisse aus dem Gutachten zu dem Gebissabdruck an Christiane Junkers Leichnam bereits vorgetragen bestellte man die Expertin noch einmal zu einer Befragung durch das Gericht ein, mit einem ernüchternden Ergebnis.

00:28:27: Man hatte das Gutachten noch einmal geprüft und dabei schwerwiegende Fehler in der Beurteilung der festgestellten Zahnanomalie gefunden.

00:28:34: Mit der Konsequenz, dass man den Bericht der Forensikerin als vollkommen wertlos und nicht beweiskräftig für das Gerichteinstufte.

00:28:44: auch ein weiteres Gutachten eines anderen Experten brachte keinerlei weitere Klarheit.

00:28:50: Laut dem zweiten Zahnforensiker stünde es fifty-fifty, dass Siegfried Peh der Täter gewesen war oder eben nicht.

00:29:02: Im deutschen Rechtssystem gilt noch immer der Grundsatz im Zweifel für den Angeklagten und in dieser Wahrnehmung ist es schlimmer eine unschuldige Person zu bestrafen als eine schuldige person laufenzulassen.

00:29:17: Sieg Fried Peh wurde nach der Ablehnung des zahnmedizinischen Gutachtens sofort aus der Haft entlassen So unvorstellbar sich das anhört, schlussendlich vom gesamten Tatvorwurf freigesprochen.

00:29:33: eine moralische Ungerechtigkeit die einst ihren Ursprung in fatale Ermittlungsfehlern hatte und bis heute extrem zermürbend für die Familie des Opfers sein muss.

00:29:44: Doch irgendwie scheint Christianes jüngerer Bruder Robert seinen Frieden damit gemacht zu haben dass der Täter bis zuletzt frei Sein Leben leben durfte.

00:29:57: Vielleicht hilft ihm die Gewissheit, dass das weitere Leben von Siegfried P., alles andere als auf Rosen gebettet war und er schlussendlich gezeichnet von seiner chronischen Krankheit, erbärmlich vor die Hunde ging.

00:30:12: Im September twenty-fünfundzwanzig ist Sieg Fried Peh nach langer Krankheit verstorben.

00:30:19: doch für die Familie des Opfers geht das Leben weiter und Christiane ist immer dabei in ihren Gedanken, in Ihren Erinnerungen und in Ihrem Herzen für alle Zeit.

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