Ein Tagebuch des Terrors
Shownotes
Die junge Architektin Tsin-ieh verliebte sich über beide Ohren, als sie bei der Arbeit Roland B. begegnete. Doch ihre Beziehung sollte nur ein Jahr halten, da Roland B. sie immer wieder verstieß. Als Tsin-ieh sich schließlich selbst von ihm trennte, begann für sie ein Stalking-Albtraum, der nach Jahren des Terrors ein schreckliches Ende nahm…
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Zur aktuellen Folge:
Der aufwühlende und hochgradig empörende Mordfall von Tsin-ieh L. (München, 2016) - einer jungen Frau, die über Jahre den Stalking-Terror ihres Exfreundes erdulden musste und die schlussendlich von Polizei und Justiz im Stich gelassen wurde.
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Transkript anzeigen
00:00:09: Ein Tagebuch des Terrors.
00:00:24: Alles klar, sagte Genie in den Hörer und war im Begriff das Gespräch zu beenden.
00:00:31: Und nochmal danke Frau Brandes für alles!
00:00:34: Ich wüsste ohne sie nicht was ich noch tun sollte – bis übermorgen.
00:00:41: Sie legte auf und warf das Handy mit einer erleichterten Geste neben sich auf die Couch.
00:00:46: Ganze anderthalb Stunden hatte das Gespräch mit ihrer Anwältin gedauert, aber diese Zeit war auch nötig gewesen.
00:00:54: Sie waren alles nochmal im Detail durchgegangen um auf den Termin beim Amtsgericht am kommenden Donnerstag bestmöglich vorbereitet zu sein.
00:01:03: Es war mal wieder schmerzhaft gewesen sich aufs Neue mit ihren eigenen Notizen auseinandersetzen zu müssen Mit dem Ding die sie seit Jahren gezwungenermaßen aufschrieb und die sie stattdessen lieber an Ort und Stelle sofort wieder vergessen hätte.
00:01:21: Ihr Gehirn wählte naturgemäß die Verdrängung, das war über die Zeit ihr einziger Überlebensmodus geworden aber für die Beweisführung war es unerlässlich dass sie die Geschehnisse lückenlos und detailgetreu reproduzieren konnte.
00:01:37: also musste sich den vielen Traumata immer wieder aussetzen und all die Angst, Scham und Ohnmacht immer wieder hochholen damit er gestoppt würde Damit das alles eines Tages doch noch irgendwie endete.
00:01:56: Noch einmal blätterte sie durch das gebundene Notizbuch und wog es nachdenklich in der Hand – unglaublich, was da in den vergangenen Jahren alles zusammengekommen war!
00:02:07: Es war ihre persönliche Chronik des Terrors von der Sie sich wünschten, Sie irgendwann einfach verbrennen zu können.
00:02:16: Aber im Moment kam Ihr dieses Dinn a fünf große Buch das über und über mit ihrer unruhigen Handschrift vollgekrakelt war, wie ihr wichtigster Besitz vor.
00:02:26: Wenn sie es richtig einsetzte, wäre es ein unbezahlbares Ticket in die Freiheit.
00:02:35: Genies Blick fiel auf die Uhr an der Wand – gleich war's diebten Uhr durch!
00:02:41: Wenn sie sich beeilte, könnte sie noch schnell ihr Fahrrad holen und zum nahe gelegenen Asermarkt fahren bevor dieser um achtzehn Uhr schloss.
00:02:50: Als gebürtige Teilhänderin war es ihr Wichtig stets traditionelle Zutaten im Haus zu haben, die sie an ihrer Heimat erinnerten.
00:03:00: Schnell schnappte sie sich eine Tasche, griff nach ihrem Schlüssel und trat vor die Wohnungstür.
00:03:06: Während sie in ihre weißen Tonschuhe schlüpfte, fiel ihr Blick auf einen vollen Müllbeutel, den Sie bereits Stunden zuvor rausgestellt hatte – und bei Ihrem Weg nach unten ebenso gut gleich mitnehmen konnte!
00:03:20: Schnellen Schrittes ging sie die Stufen des Mehrfamilienhauses nach unten.
00:03:24: Hinter den Türen Ihre verschiedenen Nachbarn Hörte sie rege Betriebsamkeit, während sie daran vorbeigehen.
00:03:31: Viele von ihnen waren gerade erst von der Arbeit nach Hause gekommen.
00:03:35: Sie hörte Töpfe klappern oder Kinder lachen und schreien – die im Wohnzimmer anscheinend gerade Kriegen spielten!
00:03:43: Der Lärm störte Genie überhaupt nicht.
00:03:46: Im Gegenteil, er beruhigte sie sogar.
00:03:49: Es war eine tolerante unfreundliche Hausgemeinschaft, die Genie die nötige Sicherheit und Ruhe angesichts ihrer schwierigen Situation gab Zumal sie sich irgendwann nicht mehr zu helfen gewusst und ihre Nachbarn sogar ins Vertrauen gezogen hatte.
00:04:05: Seitdem wusste sie, dass die anderen Mieter auf Sie aufpassten – und meistens einen Blick darauf hatten, was in dem Wohnhaus vor sich ging!
00:04:13: Und wer sich dort herumtrieb?
00:04:16: Nur leider nicht an jenem schicksalhaften Abend des sechzehnten August zwei tausendsechzehn.
00:04:27: Jeanie nahm die letzten Stufen bis ins Erdgeschoss und kamte bereits einhändig nach dem Schlüssel mit dem sie für gewöhnlich das Müllhäuschen im Innenhof aufschließen musste.
00:04:37: Weil sie den Blick gesenkt hatte, sah sie zu spät wie er plötzlich aus einer Nische hervortrat und sich vor ihr aufbaute.
00:04:46: Ihre Blicke trafen sich!
00:04:49: In Jeanis Augen lag blankes Entsetzen und Angst.
00:04:53: in seinen lag abgrund tiefer Hass.
00:04:57: Er hatte ein langes Messer in der zerfaust geballten Hand Und dann ging alles ganz schnell.
00:05:10: Neun Jahre früher, gelangweilt klickte Jeanie auf ihrer drei D-Zeichnung eines Stereotypen Rheinhäuschens herum und solch der hörbar.
00:05:21: Hatte sie sich für diese trockene und passionslose Arbeit wirklich durch das harte Studium gekämpft und einen Abschluss in Architektur gemacht?
00:05:29: Ein Studium, für welches ihre Eltern sie immer kompromisslos unterstützt und ihre einzige Tochter sogar von Thailand nach Deutschland geschickt hatten, damit die es einmal besser haben würde als sie selbst!
00:05:41: Keine Frage.
00:05:43: Genie war ihren Eltern für immer dankbar und sie empfand allgemein eine tiefe Demut-und Dankbarkeit, für das privilegierte Leben, dass sie nun führen durfte.
00:05:53: Sie war Mitte dreißig – attraktiv, lebenslustig, wohnte in einer schicken Wohnung im Zentrum von Braunschweig und verdiente ihr eigenes Geld als Architektin bei einem Bauunternehmen.
00:06:04: Doch als alleinstehende Frau fehlte er irgendwie noch etwas… oder jemand!
00:06:10: zum vollkommenen Glück.
00:06:14: Es klopfte zackhaft an ihrer Bürotür, Jeanie wollte gerade wie üblich es ist offen rufen als sie den Blick vom Monitor abwandte und auf der Hälfte des Satzes verstummte denn die klopfende Person hatte die angelehnte Tür bereits voll ins Aufgestoßen und stand nun im Türrahmen.
00:06:34: Es war ein Mann in ihrem Alter und Sie hatte ihn noch nie gesehen.
00:06:39: er war groß schlank hatte dichtes dunkles Haar und sah sie mit einem verschmitzten Lächeln an, das sie auf der Stelle ein wenig verlegen machte.
00:06:49: Er war attraktiv – keine Frage!
00:06:51: Doch Genie sammelte sich sofort und kämpfte die in ihr Aufsteigende Röte nieder.
00:06:57: Wie peinlich.
00:06:57: Sie musste doch professionell wirken!
00:07:01: Ach, Sie sind der neue Kollege, richtig?
00:07:04: Er griff sie nun betont freundlich das Wort und stand auf um ihm die Hand zu schütteln.
00:07:09: Ja genau gab er zurück, und er griff im selben Atemzug ihre Hand.
00:07:15: Sein Händedruck war warm, fest und trocken.
00:07:18: Anders als Jeannie fand er offenbar überhaupt keine Nervosität.
00:07:23: Ich bin Roland – wir können gerne du sagen!
00:07:27: Jeannie erwiederte sie und wusste förmlich welche Nachfrage gleich kommen würde.
00:07:33: Aus Thailand fragte Roland nun zurück und schenkte ihr wieder dieses verschmitzte Lächeln.
00:07:39: Jeannie war angenehm überrascht.
00:07:42: Bisher hatten Fremde es bei ihrem Anblick immer mit Vietnam, Korea oder irgendeinem x-beliebigen asiatischen Land versucht.
00:07:49: Er war der erste, der direkt beim ersten Versuch ins Schwarze getroffen hatte.
00:07:55: Korrekt bestätigte sie seine Ahnung und setzte ein ebenso schämmisches Lächeln auf.
00:08:01: Wir werden uns sicherlich gut verstehen!
00:08:05: Oh mein Gott flirte ich gerade mit ihm?
00:08:07: Huschte es japanisch durch den Kopf.
00:08:10: Doch Sie und Roland standen sich einfach nur einen viel zu langen Moment gegenüber – lächelten und schwiegen Und es war überhaupt nicht unangenehm.
00:08:25: Ein Jahr danach, Oktober –zweigend stand Jimmy an der Gepäck-Ausgabe des Hannoverraner Flughafens und betrachtete die Vielzahl am Koffern, die auf dem Laufband an ihr vorbeiratterten.
00:08:41: Als ihre eigene Reisetasche endlich hinter den schweren Gummilamellen zum Vorschein kam und sie beherzt danach greifen wollte, kam ihr jemand jedoch zuvor.
00:08:51: Roland hatte sich eine der beiden Trageschlaufen geangelt und stellte die Tasche nun zu ihren Füßen ab.
00:08:57: Danke, hörte sie sich selbst verlegen sagen und spürte sogleich wie ihr mal wieder das Blut in den Kopf schoß!
00:09:05: Sie hatten nun seit über einem Jahr zusammen bei dem Bauunternehmen gearbeitet – und waren so eben von einer gemeinsamen Dienstreise aus Dublin zurückgekommen, die wortwörtlich alles auf den Kopf gestellt hatte.
00:09:17: Dabei hatte es so harmlos angefangen.
00:09:19: Die Tage waren lang und von zehn Verhandlungen mit zahlreichen irischen Investoren geprägt gewesen Die Abende dafür umso einsamer und langweiliger, hätte man es ihnen da verdenken können, dass sie sich zu später Stunde noch an der Hotel bar trafen.
00:09:35: Und das Sie als diese irgendwann schloss auf die Mini-Bar in Roland's Zimmer ausgewichen waren?
00:09:43: Und so waren die Blicke zwischen Ihnen immer länger – die Spannung immer unaushaltbarer — und Ihre Gedanken durch den Alkohol immer enthemter geworden bis sie es schließlich einfach geschehen ließen!
00:09:57: Eine berauschende Nacht lag nun hinter ihnen, doch Genie zermaterte sich schon jetzt den Kopf.
00:10:02: Ob und wie sie zukünftig damit umgehen sollten?
00:10:06: War das nur eine einmalige Sache gewesen?
00:10:09: Würden Sie es nun auf der Arbeit verheimlichen müssen!
00:10:13: Wenn sie ehrlich zu sich war, hatte Roland ihr schon seit seinem Auftauchen in der Firma ganz schön dem Kopf verdreht.
00:10:20: Allerdings waren seine Gefühle für sie noch immer ein Buch mit sieben Siegeln – und seit ihrer gemeinsamen Nacht hatte er noch kein Wort darüber verloren, wie es nun weiterginge.
00:10:31: Doch scheinbar war er nun im Begriff genau das nachzuholen!
00:10:36: Ich denke wir sollten im Büro erst mal diskret bleiben so lange wir uns weitertreffen.
00:10:42: Bis wir beide wissen was Sache ist.
00:10:45: Wäre das in Ordnung für dich?
00:10:48: Er sagte dass so beiläufig während ihr die Schiebestange seines Rollkoffers aus der Versenkung zog als wäre er gedanklich noch immer bei dem Neubauprojekt in Dublin.
00:10:58: Aber er hatte Genie damit zwei entscheidende Hinweise gegeben.
00:11:02: Zum einen beabsichtigte er, sie weiterhin zu sehen und zum anderen bestand die Möglichkeit, dass es eines Tages ganz offiziell zwischen ihm werden würde.
00:11:13: Der Gedanke allein bereitete ihr jetzt schon Herz flattern.
00:11:20: Am Ende hatte es nur wenige Wochen gedauert bis Genie und Roland gemeinsam an ihren Vorgesetzten herangetreten waren und die Katze aus dem Sack gelassen hatten.
00:11:30: Das ewige Versteckspiel hatte sich schnell als zu anstrengend herausgestellt.
00:11:34: Und zu ihrer eigenen Überraschung, hatte ihr Chef auf die frohe Botschaft nicht mal irritiert oder überrascht reagiert.
00:11:41: Womöglich hatte er es ohnehin die ganze Zeit geahnt!
00:11:46: Von nun an waren Genie und Roland also ein Paar.
00:11:50: Während es ihnen im Büro von Beginn ein sehr gut gelangt, die professionelle Ebene zu wahren und private Themen nicht versehentlich mit in die Meetings zu nehmen – war Ihr Beziehungsalltag jedoch schon bald von zahlreichen Spannungen geprägt.
00:12:03: Ihre größte Baustelle dabei war, dass Roland bei Konflikten sehr schnell die Sachebene verließ und allgemein große Zweifel an der Beziehung äußerte.
00:12:13: Wann immer es um banale Kleinigkeiten ging, verallgemeinerte er sofort alles und sah ihre Liebe als gescheitert an.
00:12:21: Infolge dessen trennte er sich im Effekt mehrere Male von Genie und – was sie besonders verletzte – zog anschließend bei gemeinsamen Freunden über sie her.
00:12:31: Aus der anfänglichen Hannimun-Phase wurde bald eine extrem ungesunde Beziehungsdynamik.
00:12:40: Und apropos Gesundheit, als wäre das Verhältnis zu Roland nicht schon belastend genug gewesen, erhielt Jeannie im Sommer two-tausendneuen beim Arzt eine absolute Hyopsbotschaft.
00:12:52: Die Achtund dreißigjährige war an Krebs erkrankt.
00:12:55: in dem Wissen dass sie sich nun ein hundertprozentig auf ihre Genesung konzentrieren musste und keine Kapazitäten für einen Mann hatte der sie immer wieder verstieß, nur um dann ein paar Wochen später wieder alles zurückzunehmen, fasste Genie einen mutigen Entschluss.
00:13:10: Im August zwei tausendneun trennte sie sich von Roland B., und zwar endgültig.
00:13:20: Überraschenderweise reagierte dieser trotz dessen dass er zuvor die Beziehung ja selbst schon einige Male beendet hatte nicht so verständnisvoll und erwachsen wie Genie es sich erhofft hatte.
00:13:33: in den folgenden Monaten Kontaktierte er sie immer wieder übers Handy und soziale Netzwerke, und er verlangte eine Aussprache bzw.
00:13:41: eine Erklärung, warum die Beziehung gescheitert war.
00:13:45: Anfangs ließ die thirty- achtjährige sich noch darauf ein – und erklärte ihm mit einer Engelsgeduld, dass sie sich nun auf ihren Heilungsprozess konzentrieren müsse und keine Kraft für das emotionale Drama hatte, was er unentwegt in ihr Leben brachte.
00:14:00: Als das alles nichts half, machte sie im Frühjahr zwei Tausendzehn schließlich kurzen Prozess und schrieb ihm auf sein wiederholtes Nachhaken hin nur noch, »Wolland?
00:14:10: Ich habe keine Lust mehr.«.
00:14:12: Und dann trat tatsächlich Ruhe ein – allerdings nur für die kommenden zwei Jahre!
00:14:19: In dieser Zeit wechselte Jeanie den Arbeitgeber und zog für ihre neue Stelle vom niedersächsischen Braunschweig nach Wolfrathhausen in Oberbayern.
00:14:27: Nach der gescheiterten Beziehung aber eine erfolgreich angeschlagenen Krebstherapie brauchte sie dringend einen Neuanfang.
00:14:36: Ein paar Monate lang ging es ihr wieder richtig gut, doch dann kehrte Roland B. mit voller Wucht auf die Bildfläche zurück und machte Genie ab sofort das Leben zur Hölle.
00:14:53: Es war ein warmer Frühlingstag im April zwölf, als Genie mit dem Fahrrad von ihrem neuen Arbeitgeber in Wolfrathshausen nach Hause ihre Wohnung vor.
00:15:03: Gerade kam sie mit ihrem Rad an einer roten Ampel zum Stehen Als plötzlich hinter ihr jemand abrupt und quietschend mit seinem eigenen Rad abbremste.
00:15:14: Reflexartig drehte Genie sich um, und sah ihrem Ex-Freund Roland B., mitten ins Gesicht.
00:15:22: Sofort spürte Genie wie er heiß und kalt wurde.
00:15:25: Was zum Teufel machte er in Wolfrathshausen?
00:15:29: Sein bisheriger Wohnort Hildesheim lag nahezu am anderen Ende der Bundesrepublik – und Genie hatte ihren Umzug bewusst nicht an die große Glocke gehängt!
00:15:39: Er musste sie also beschattet haben, um herauszufinden, dass sie sich über sechshundert Kilometer entfernt eine neue Arbeit und einen neuen Lebensmittelpunkt gesucht hatte.
00:15:49: Verdattert stieg sie ab und sah ihm fassungslos ins Gesicht.
00:15:54: »Was machst du hier?« fragte sie ihn und legte die Stirn in Falten.
00:15:59: »Verfolgst du mich?«.
00:16:02: Doch Roland B. setzte ein Pokerface auf!
00:16:05: Das kannte Genie noch von ihrer damaligen Beziehung – er hatte sich emotional nie in die Karten gucken lassen Und genau das hatte es so schwer gemacht, mit ihm Konflikte auszufechten.
00:16:17: Du schuldest mir immer noch eine Erklärung, warum du dich getrennt
00:16:20: hast."
00:16:20: antwortete er kalt.
00:16:23: In seinen Augen blitzte kurz etwas herausforderndes auf.
00:16:28: »Was?
00:16:29: Aber wir sind doch seit über zwei Jahren getrenned!
00:16:31: Warum willst du jetzt noch einer Aussprache?
00:16:35: Es ist alles gesagt und ich habe keine Zeit für sowas – Ich muss nach Hause.
00:16:41: Für mich nicht.
00:16:43: Überleg' es dir, Genie.».
00:16:46: Plötzlich schien ihm bewusst zu werden, dass bereits mehrere Passanten auf ihren Konflikt auf offener Straße aufmerksam geworden waren und ihn arg gewöhnisch anstarten.
00:16:55: Wortlos stieg er wieder auf sein Rad und fuhr davon.
00:17:00: Jeanie sah ihm höchst beunruhigt nach – sie ahnte bereits, daß dies nicht das letzte Mal sein würde ,dass er sie so unangenehm bedrängte – womit die mittlerweile einundvierzigjährige allerdings nicht gerechnet hatte.
00:17:16: Roland B. würde sie nicht nur weiter unangekündigt aufsuchen und ihm eine völlig sinnlose Aussprache bitten, er würde mit der Zeit auch immer bedrohlichere Taktiken auffahren, um sie weiter einzuschüchtern, denn nicht immer näherte er sich in den folgenden Wochen- und Monaten persönlich.
00:17:34: Manchmal machte er sich auch an ihrem Eigentum zu schaffen – und jagte ihr damit Angst ein!
00:17:40: Es begann damit, dass er einmal ihr Türschloß mit Sekundenkleber verklebte, so daß sie den Schlüsseldienst rufen musste….
00:17:48: Ein anderes Mal wollte sie ihr Rat aus dem Keller holen und musste feststellen, dass jemand es heftig demoliert hatte.
00:17:55: Dann wieder tauchte er plötzlich an ihrem Arbeitsplatz auf, lungerte draußen vor dem Unternehmenseingang herum und fing sie ab wenn sie morgens zur Arbeit erschien oder Feierabend machte.
00:18:08: Genie spürte das dies längst nicht mehr das normale Verhalten eines in seinem Ego verletzten Exfreundes war – Das hier war pathologisch!
00:18:18: Und je länger Sie ihn gewähren ließ umso schlimmer würde es werden.
00:18:22: Nachdem er ihr mehrfach auf der Arbeit aufgelauert war und Genie für diese Vorfälle sogar Zeugen hatte, wandte sie sich schließlich an die Polizei – was folgte bei eine sogenannte Gefährderansprache.
00:18:36: Zwei Beamte suchten Roland B gemeinsam auf und bedeuteten ihm, dass ein Verhalten inakzeptabel sei und wenn er nicht aufhöhre man polizeiliche und rechtliche Schritte gegen ihn einleiten könnte.
00:18:48: Doch Roland B ließ sich davon nicht abhalten!
00:18:51: Im Gegenteil, er zog sich zwar für ein paar Tage zurück – allerdings nur um Genie danach das Leben noch perfiderschwer zu machen.
00:19:02: Also zog Genie rechtliche Konsequenzen.
00:19:06: Sie erwirkte mehrmals vor Gericht ein sogenanntes Kontaktverbot gegen Roland B. Dieses untersagte es ihm, sich seiner Ex-Freundin weniger als hundert Meter zu nähern ihre Wohnung oder ihren Arbeitsplatz aufzusuchen oder sie telefonisch digital oder sonst wie zu kontaktieren.
00:19:23: Auch diese Maßnahmen erwiesen sich mittelfristig als vergeblich.
00:19:27: Holland B stellte ihr weiterhin nach, rief sie immer wieder an, klingelte Sturm an ihrer Haustür.
00:19:37: In ihrer Not sah Jeannie keinen anderen Ausweg, als nochmal umzuziehen.
00:19:42: Sie suchte sich eine neue Stelle – dieses Mal in München und zog im Jahr die bayerische Landeshauptstadt um.
00:19:50: Wieder fand ihr Exfreund heraus, wo sie nun wohnhaft war.
00:19:54: Wieder verfolgte er sie!
00:19:56: Wieder begann der Psychoterror nach wenigen Wochen von vorne.
00:20:00: Zwischenzeitlich flüchtete sie zu einer Freundin und tauchte dort unter, doch selbst dort war sie nach kurzer Zeit nicht mehr sicher.
00:20:10: Innerhalb Münchens sollte Jeannie noch zweimal umziehen und schließlich ab zwei Tausend Fünfzehn eine Wohnung in der Bayerisch-Zellerstraße im Stadtteil Obergiezing anmieten.
00:20:21: Inzwischen führte sie genau Buch darüber – wann Roland B. ihr mal wieder zu nahe kamen, wann er ihr nachstellte wo er auftauchte, was er kaputtmachte – wie er sie einschüchterte.
00:20:34: Es war ihr Tagebuch des Terrors.
00:20:37: Manchmal hörte sie wochenlang nichts von ihm, dann belagerte er sie wieder mehrere Tage hintereinander.
00:20:44: Einmal spätabends im August zwei Tausend Fünfzehn war sein Klingel Terror an ihrer Haustür so schlimm, dass er binnen sechsundfünftig Minuten zwölf Mal bei ihr schälte.
00:20:55: Genie notierte alles auf die Minute genau!
00:20:58: und schaltete die Klingel schließlich ab.
00:21:04: Inzwischen hatte sich gegenüber Roland B eine beachtliche Menge an Kontaktverboten, Geldstrafen und mehreren offenen Gerichtsverfahren angehäuft.
00:21:13: Jeannie hatte zusätzlich den polizeilichen Opferschutz eingeschaltet, der ihrem Ex-Freund im Rahmen einer Gefährderansprache erneut ins Gewissen redete.
00:21:23: Als das alles nicht fruchtete, begannen sie in ihrer Verzweiflung ihr häusliches und privates Umfeld auf diese Situation aufmerksam zu machen.
00:21:32: Sie informierte die Nachbarn in ihrem Haus, druckte und verteilte sogar Flyer mit seinem Konterfei.
00:21:37: Und mit der Aufforderung versehen im Treppenhaus stets nach ihm ausschaut zu halten – und die Haustür niemals offen stehen zu lassen.
00:21:46: Zeitweise war Jeannie dermaßen von Angst und Panik erfüllt, dass sie nur noch in Begleitung einer Nachbarin das Haus verließ.
00:21:56: Für den achzehnten August-Zw.A.
00:21:57: bei ein neuer Prozessauftakt gegen Roland B wegen Nachstellung angesetzt.
00:22:04: Aus diesem Grund hatte Genie zwei Tage zuvor, am Nachmittag des sechzehnten August noch ausführlich mit ihrer Anwältin Anche Brandes telefoniert.
00:22:13: Nachdem sie aufgelegt und die Wohnung verlassen hatte war sie ihre Mörde direkt in die Arme gelaufen.
00:22:20: Roland B richtete Genie im Treppenhaus mit einem Buchbindermesser mit einer twenty-fünfzig Zentimeter langen Klinge hin.
00:22:28: Mindestens achtzehnmal starre ihr in den Hals und in die Brust Bis sie qualvoll verblutete.
00:22:36: Nachbarn hörten noch ihre Schreie, doch sie kamen zu spät.
00:22:40: Geni starb noch am Tatort!
00:22:47: Die Verzweiflung und die unbändige Wut, die Genis Tod und ihr jahrelanges Materium hinterlassen, richten sich natürlich gegen Roland B., aber nicht ausschließlich.
00:22:59: Sie richten auch sich gegen ein gescheitertes Justizsystem – das nicht im Stande gewesen war, einen Stalking-Opfer vor seinem Täter zu schützen Obwohl es doch alles richtig gemacht hatte.
00:23:11: Jeannie hatte sich Hilfe gesucht, sie hatte sich selbst verteidigt.
00:23:15: Sie hatte rechtliche Schritte gegen den Täter eingeleitet und immer wieder klar ihre Grenze gezogen.
00:23:22: Nach ihrer Ermordung fand man in ihrer Wohnung folgende Zeilen die sie sich für den Gerichtstermin zwei Tage später notiert hatte Ich möchte einfach nur in Ruhe leben ohne mich einschränken zu müssen Und ohne mich fürchten zu müssen.
00:23:40: Am sechzehnten August, zwei tausendsechsundzwanzig nähert sich Genies zehnter Todestag.
00:23:46: Er erinnert uns daran, wie sehr diese mutige Frau einst um ein friedliches Leben und schlussendlich ums nackte Überleben gekämpft hatte – und daran, dass Täter nicht immer einwandfrei von außen zu erkennen sind!
00:24:02: Vor der Trennung von Genie war Roland B nie auffällig gewesen und auch nicht vorbestraft.
00:24:08: Er hatte seine Ex-Partnerin nie geschlagen wenngleich er sie über Jahre seelisch mishandelt hat.
00:24:15: Seitdem man ihn nach seiner Flucht schließlich im November, in Spanien aufgegriffen hatte wurde er ein Jahr später am Landgericht München zu lebenslanger Haft verurteilt.
00:24:28: Man stellte außerdem eine besondere Schwere der Schuld aufgrund von zwanghafter und nazistischer Züge fest.
00:24:34: Allerdings lag keine schwerwiegende Persönlichkeitsstörung vor.
00:24:39: Als Ergini tötete hatte er mit absolutem Vernichtungswillen gehandelt.
00:24:46: Roland B. Wiederum hatte den ganzen Prozess über, bis hin zu seinem letzten Wort vor der Urteilsverkündung zu den Vorwürfen geschwiegen und nicht mal den Angehörigen in die Augen gesehen – doch egal wie sehr er die Tat in seinem verqueren Kopf hin- und herdreht und welche Rechtfertigung er vor sich selbst erfindet!
00:25:09: Für den Rest der Welt bleibt er ein armseliges und feiges Monster.
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