Die Cold Case Revolution
Shownotes
Mehr als 30 Jahre lang bleibt der Mord an Randy Gail Sperino ungelöst. Die Ermittler haben DNA, Zeugenaussagen und Tausende Seiten Akten – doch keine Spur führt zum Täter. Dann wird der Fall noch einmal geöffnet. Diesmal mit Methoden, die es 1993 noch nicht gab: moderne DNA-Technik, genetische Genealogie und KI-gestützte Analyse alter Ermittlungsakten. Plötzlich ergeben sich aus jahrzehntealten Daten neue Zusammenhänge. Eine Spur führt zu einem Mann, der damals ganz in der Nähe lebte. Doch reicht moderne Technologie wirklich aus, um nach mehr als drei Jahrzehnten einen Mord aufzuklären?
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Zur aktuellen Folge:
Der Cold Case Randy Gail Sperino (Illinois, 1993) – Wie KI, moderne DNA-Analyse und forensische genetische Genealogie halfen, einen mehr als 30 Jahre alten Mordfall neu aufzurollen. Der Fall zeigt, wie neue Technologien Ermittlungsakten auswerten, alte Spuren neu bewerten und bislang ungelöste Verbrechen Jahrzehnte später wieder in Bewegung bringen können.
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Transkript anzeigen
00:00:09: Die Cold Case Revolution.
00:00:26: Es rumste dreimal lautstark, als die schweren Stapelpapier sich wie aus dem Nichts auf seinem Schreibtisch auftürmten und unzählige Staubklarner in die Luft wirbelten.
00:00:37: Jacobs Voboda von seinen Kollegen und Freunden immer nur Jake genannt sah von seinem Laptop auf.
00:00:47: Er benutzte diesen mittlerweile nur noch höchst selten, um irgendetwas zu notieren.
00:00:52: Warum einen Gedanken schriftlich auf Papier festhalten?
00:00:56: Wenn man ihn auch gleich digital niederschreiben und für alle Ewigkeiten konservieren konnte!
00:01:02: Gerade in seinem Beruf als Kriminalist war ihm bewusst welche Bedeutsamkeit ein Einzelner zuweilen völlig banaler Gedanke manchmal haben konnte.
00:01:12: Der Bleistift erfüllte dennoch weiterhin einen Zweck.
00:01:15: Das Zerbeißen des weichen Holzes half ihm noch immer, seine Überlegungen zu sortieren.
00:01:23: Sein Bleck traf die Augen seines Chefs Captain Tim Lawrence der soeben die Berge an Papier auf seinem Schreibtisch abgeladen hatte und ihn erwartungsvoll ansah.
00:01:34: Ein Cold Case stellte Jake nüchtern fest.
00:01:38: In seinem Ton lag nichts Fragenes denn dafür macht er diesen Job schon viel zu lange.
00:01:44: Wenn eine Akte auf ein derart stattliches Volumen angewachsen war bedeutete das nie etwas Gutes.
00:01:50: Es hieß nur dass sich schon zahlreiche Klugeköpfe, Experten und polizeiliche Sonderkommandos die Zähne an dem Fall ausgebissen hatten.
00:01:59: Ohne daß es irgendeinen Fortschritt in Richtung Aufklärung gebracht hätte!
00:02:04: Kurzum der Albtraum eines jeden Ermittlers.
00:02:10: Mit besten Grüßen von ganz oben ergriff Lawrence nun das Wort – und grinnste zynisch.
00:02:16: »Oh, Jeff Connor lässt mich grüßen?« gab Jake sarkastisch zurück und starte auf den riesigen Papierberg.
00:02:24: Wenn niemand Geringeres als der Sheriff von Madison County eine alte Akte aus dem Keller hatte hervorholen lassen, war das nie Zufall oder Willkür.
00:02:34: Nein!
00:02:35: Das musste persönliche Gründe haben.
00:02:38: Jake öffnete zögerlich den Deckel des obersten Hefters, blickte auf eine unscharfe schwarz-weiß Kopie mit dem Bild einer jungen Frau und klappte den Decke sofort wieder zu.
00:02:50: Kannte Connor das Opfer?
00:02:52: Fragte er nun Lawrence und spürte wie der Druck auf seinen Schultern plötzlich deutlich zunahm.
00:02:59: Nein, nicht persönlich!
00:03:01: gab Lawrence zurück und winkte ab.
00:03:03: Aber er kommt aus derselben Gegend – und hatte Anfang der Neunziger beim Granite City Police Department als Ermittler gearbeitet.
00:03:11: Später dann auch als Chief der Beauty.
00:03:13: Er hatte den Fall also in den vergangenen dreißig Jahren mehr als einmal auf dem Tisch.
00:03:20: Und warum will er jetzt das ich mich damit beschäftige?
00:03:23: Haagte Jake nach und spürte plötzlich wie sich die Metalleinfassung des Radiergummis von seinem Bleistift löste, weil er zu viel daran herumgenagt hatte.
00:03:32: Er hasste es wenn das passierte!
00:03:34: Dein frischer Blick kann sicherlich nicht schaden, antwortete Lawrence darauf hin und tätschelte den Aktenberg vor sich mit einer beiner liebevollen Geste bevor er sich vorbeugte und mit gesenkter Stimme ergänzte Und ganz abgesehen davon bist du der einzige hier in dieser Bude der sich mit KI auskennt.
00:03:56: Du bist nicht nur jemand Der ChatGPT nach Kochezepten fragt, oder was das kleine Lämpchen zu bedeuten hat, dass plötzlich im Armaturenbrett leuchtet.
00:04:05: Du hast damit schon kriminalistisch
00:04:06: gearbeitet.".
00:04:09: Da war etwas dran, dachte Jake und legte den Bleistift resigniert beiseite.
00:04:15: Er hatte in dem Jahr- und Jahrzehntag bereits mit einem KI Entwickler namens Lane Floyd zusammengearbeitet, dessen Produkt damals noch Blue Line AI hieß!
00:04:27: Damals hatte er Erfolgrechtdaten zu zwei Tötungsdelikten von Ninzenhundertneunzig und Ninzenhnundvierneunzig in die KI eingespeist, was zahlreiche neue Ermittlungsansätze zu Tage gefördert hatte.
00:04:39: Mittlerweile hat das Unternehmen hinter Blue Line AI sich weiter professionellisiert – und ihr Produkt in Centerline-AI umbenannt.
00:04:48: Es war also gut möglich, dass ich das erneute Hinzuziehen einer KI auch in diesem Cold Case auszahlen würde!
00:04:57: Jake trommelte nachdenklich mit den Fingern auf dem obersten Aktendeckel, während er so tat, als würde er die Entscheidung reifen lassen – obwohl ihm und Tim Lawrence längst klar war, dass er im Grunde überhaupt keine Wahl hatte.
00:05:11: »Okay« sagte er schließlich und fügte direkt hinzu aber falls du oder Connor glauben das der Fall dadurch im Überschalltempo geknackt werden könnte muss ich euch enttäuschen.
00:05:22: So einfach läuft es nicht!
00:05:25: Glaub mir, ich stehe der ganzen Sache deutlich skeptischer gegenüber als es den Anschein macht", sagte Lawrence daraufhin.
00:05:32: «Jetzt soll die KI auch noch unsere Arbeit machen.».
00:05:35: Einen Ermittler ersetzen, erschnaubte verächtlich.
00:05:40: Unsere Arbeit ist mit der Art komplexem Denksport und wahnsinnig viel menschlicher Intuition verbunden – und letzteres kann künstliche Intelligenz schlichtweg nicht leisten!
00:05:52: Eine KI hat schließlich kein Bauchgefühl.
00:05:57: Stimmt!
00:05:58: bestätigte Jake Sein Boss.
00:06:00: Eine KI hat kein Bauchgefühl, was sie aber stattdessen hat ist ein unendlich strapazierfähiges Gedächtnis.
00:06:08: Sie kann ohne mit der Wimper zu zucken einen Gesprächsdetail mit einem Zeugen von nineteenhundertneunzeig ausspucken und dieses mit einer Vernehmung von zweitausendzehn ins Verhältnis setzen.
00:06:19: Sie erinnert alles und kann jede noch so kleinteilige Information auf unseren Wunsch hinsortieren kontextualisieren analysieren.
00:06:28: Was wir dann daraus machen, sei es intuitiv oder mit menschlicher Vernunft ist immer noch uns überlassen.
00:06:34: Aber wie gesagt der Einstieg wird hart und langwierig denn schließlich müssen wir die Datenbank erst mal füttern.
00:06:43: Das hatte ich bereits befürchtet gab Lawrence nun zurück und rieb sich den Nacken als würde der Gedanke für dieses Vorhaben Personal an anderer Stelle abzuziehen im körperliche Schmerzen zufügen.
00:06:56: Mal angenommen Ich kriege die gesamte Records Abteilung dazu die Akten zu digitalisieren, wird dieser Prozess alleine mindestens zwei Wochen dauern.
00:07:04: Also fangen wir am besten direkt damit
00:07:06: an.".
00:07:09: Beherzt wollte er den Stapel wieder von Jake's Tisch zusammenklauben – doch dieser legte plötzlich wieder die Hand oben auf, um seinen Chef zu stoppen!
00:07:18: Halt!
00:07:19: Erst will ich sie zumindest querlesen und mir einen Eindruck von dem Material machen….
00:07:24: Ach, ich dachte deine KI würde dir diesen Schritt auch abnehmen?
00:07:28: Gab Lawrence daraufhin ironisch zurück... Querlesen reicht für ein gutes Bauchgefühl leider nicht.
00:07:36: Da hast du recht, sagte Jake lächeln und zog den Stapel mit einem Ruck näher an sich heran.
00:07:41: aber das Durchblättern hilft mir dabei mich empathisch auf den Fall einzulassen etwas was die KI ebenfalls nicht kann wohl gemerkt.
00:07:50: ich will schließlich wissen wer sie gewesen ist.
00:07:54: er drehte den obersten Hefter in seine Richtung öffnete abermals dem Deckel Randy Gale Spirino.
00:08:05: Neunter November, nineteenhundertdreiundneinzig.
00:08:15: Das Kurvenkreischen des Gütezuges unter ihren Füßen dröhnte in Randys Ohren als sie schnellen Schrittes über die Rockroad-Gleisbrücke lief.
00:08:24: Sie hatte um diese Zeit längst zu Hause sein wollen Doch ihr Vater hatte ihr mal wieder ein Ohr abgekaut und sie in seinem klobigen alten Ledersessel mit alten Geschichten regelrecht festgetackert so dass sie schließlich eingelenkt hatte und auf seine Bitte hin doch noch zum Abendessen geblieben war.
00:08:41: Aber was konnte sie ihm schon groß vorwerfen?
00:08:44: Sie wohnten in derselben Stadt, sie im Westen von Granite City eher Downtown.
00:08:50: Trotzdem sahen sie sich maximal viermal im Jahr.
00:08:53: Dabei war er doch seitdem ihre eigenen Kinder mit ihrem Ex-Mann nach Kalifornien gezogen waren Ihr einziger familiärer Draht der ihr noch gebliebene war.
00:09:03: War es da nicht nur natürlich dass er die wenige gemeinsame Zeit mit seiner Tochter auskostete, trotzdem war ihr gleichzeitig schmerzlich bewusst warum sie gegen Ende des Besuchs bei ihrem alten Herrn plötzlich Hummeln im Hintern bekommen hatte.
00:09:20: Randy hatte ganz eigene familiäre Bedürfnisse und wollte heute Abend noch dringend etwas erledigen in Kalifornien anrufen um mit ihrem Sohn Wes zu sprechen.
00:09:30: Wes war mittlerweile fünfzehn Jahre alt und nach Jahren eines komplizierten Verhältnisses hatten sie sich zuletzt wieder angenähert.
00:09:39: Bei ihrem letzten Gespräch hatte Wes sogar gesagt, dass er nach seinem achtzehnten Geburtstag gerne wieder zu ihr ziehen würde.
00:09:46: Das hatte Randy Hoffnung gegeben – Hoffnung darauf, das sie als Mutter vielleicht doch nicht vollkommen versagt hatte.
00:09:55: Denn vieles war mit Wes und seiner jüngeren Schwester Shelly nicht gerade optimal gelaufen, als die beiden noch klein waren.
00:10:02: Randy war bereits mit zweiundzwanzig Jahren Mutter geworden.
00:10:06: Bestimmt hatte sie damals viele Fehler gemacht und war einfach noch nicht reif genug für so viel Verantwortung gewesen.
00:10:13: Doch Wes hatte bei einem ihrer letzten Telefonate noch etwas anderes gesagt, was sie tief berührt hatte.
00:10:19: Er erinnerte sich wie er eines Morgens in seinem Bett aufwachte Die Augenaufschlug und feststellte Wie seine Mutter ihn mit einem Ausdruck tiefster Zuneigung Und bedingungsloser Liebe angesehen hatte.
00:10:33: Diese Erinnerung hatte sich tief bei ihm eingebrannt Und für Randy war seine Erzählung ein Weckruf gewesen, dass sie das zarte Band – was sich gerade erst wieder zwischen ihnen reformt hatte – keinesfalls abreißen lassen wollte.
00:10:50: Nervös warf sie einen Blick auf die Armbanduhr.
00:10:54: Gleich war es zwanzig Uhr.
00:10:56: Kalifornien lag zeitlich zwar zwei Stunden hinter Illinois aber wahrscheinlich gäbe es bei ihrem Ex-Partner bald Abendessen und sie wollte nicht mit einem unpassenden Telefonanruf dazwischengrätschen nur um sich dann wie eine aufdringliche Schmeißfliege abwimmeln zu lassen.
00:11:11: Also beschleunigte sie ihren Schritt.
00:11:15: Randy war so in Gedanken bei ihrem Sohn und ihren letzten Gesprächen, dass sie zunächst gar nicht den dunkelblauen Pick-up bemerkte, der plötzlich neben ihr auftauchte und sein Tempo auf Schrittgeschwindigkeit drosselte.
00:11:29: Der Wagen fuhr leise tuckernd einige Meter neben ihr her – und als die thirty- jährige ihn schließlich bemerkte, sah sie darüber Eine dunkle Gestalt hinter dem Steuer lehnte sich nach rechts und kurbelte das Fenster der Beifahrertür herunter.
00:11:45: Jetzt erkannte Randy im Licht der Straßenlaterne, dass es ein attraktiver Mann in ihrem Alter war.
00:11:51: Er sprach sie freundlich von der Seite an.
00:11:53: – Guten Abend!
00:11:55: Ich möchte Sie nicht belästigen, aber soll ich Sie ein Stück mitnehmen?
00:12:01: Randy richtete ihren Blick wieder geradeaus und antwortete höflich, aber bestimmt….
00:12:07: Nein danke, ich habe es nicht mehr
00:12:08: weit.".
00:12:10: Der Fahrer des Pick-ups schien sich damit nicht zufrieden zu geben.
00:12:14: Wie weit denn noch, fragte er abermals freundlich und lächelte dabei entwaffnend.
00:12:20: Irgendwie gefiel er ihr – auch wenn sie nicht ganz den Finger drauflegen konnte, warum?
00:12:27: Noch etwa fortyfünf Minuten räumte sie schließlich ein und läichelte ebenfalls.
00:12:32: Sie wusste selbst, dass das Ganze gar nicht mehr weit wäre!
00:12:37: Der Pickup kam abrupt zum Stehen und der Fahrer schob mit einem langen Arm die Beifahrertür auf.
00:12:43: Nun kommen sie schon, das ist doch albern.
00:12:45: Und obendrein gefährlich so ganz allein im Dunkeln durch diese Gegend zu laufen!
00:12:50: Hier treibt sich allerlei Gesindel rum – steigen Sie schon ein.
00:12:56: Randy blieb stehen und zögerte.
00:12:59: So risikoreich es klang, spätabends zu einem völlig Fremden ins Auto zu steigen war's nicht minder gefährlich zur selben Zeit als alleinstehende Frau durch die Problemviertel ihrer Heimatstadt zu laufen.
00:13:11: Im Grunde hatte sie die Wahl zwischen Pest und Polara Und obendrein eine mahnend tickende Uhr im Hinterkopf, weil sie Wes heute unbedingt noch anrufen wollte.
00:13:22: Also gut, säuft sie sich schließlich, öffnete die Beifahrertür des Pickups vollständig und ließ sich ein wenig erleichtert in den Sitz fallen.
00:13:32: Sie hatte sich ihr ganzes Leben lang unabhängig und sicher durch Granite City bewegt.
00:13:37: Sie war eine gestandene Frau von thirty-seven Jahren.
00:13:40: Was sollte schon passieren?
00:13:45: Wes sollte an jenem Abend keinen Anruf mehr von seiner Mutter erhalten.
00:13:50: Stattdessen würde er nie wieder ein Wort mit ihr wechseln können.
00:13:57: Frühjahr, zweitausendfünfundzwanzig.
00:14:02: Jakes wo Boda war mal wieder einer der letzten im Präsidium.
00:14:05: Vollkommen im Tunnel saß er vor seinem Rechner und hackte immer wieder neue Promps in die Tastatur.
00:14:10: Ein Kollege, der gerade in Richtung Feierabend aufbrach, tippte ihm ihm vorbei gehen auf die Schulter und sagte spöttisch Na, hat deine KI schon den Fall gelöst?
00:14:22: Halt die Klappe und geh nach Hause!
00:14:24: Gab Jake unwirsch zurück und schüttelte die Bemerkung trotzig ab.
00:14:28: Nein natürlich hatte die KI den Fall nicht gelöst.
00:14:31: Er war schließlich nicht Tom Cruise in Minority Report Aber sie hatte ihm schon jetzt hervorragende Dienste geleistet.
00:14:41: Zusammen mit den Kollegen der Records Abteilungen Hat er in den vergangenen Wochen ca.
00:14:45: zweitausend Seiten an Aktenmaterial In die Centerline AI eingespeist Darunter auch zahlreiche handschriftliche Notizen und Audioaufnahmen von Zeugenaussagen, die mühsam abgetippt und digitalisiert worden waren.
00:14:59: Das Tool hatte sich sofort an die Arbeit gemacht – und zum ersten Mal nach über dreißig Jahren war der Fall Randy Gales Berino nicht länger ein völlig unüberschaubares Chaos aus Schmierzetteln und scharfen Fotos-und verrauschten Tonbandaufnahmen sondern vielmehr eine umfangreiche Enzyklopidie zu einem Tütungsdelikt dass sich immer wieder von neuem nach verschiedenen Gesichtspunkten anordnen und strukturiert durch Forsten ließ.
00:15:28: Noch einmal nahm Jake den Abschnitt vor, was geschehen war, nachdem Randy zu dem Unbekannten in den dunklen Pickup gestiegen war.
00:15:36: Mehrere Zeugen hatten dies beobachtet – und konnten sogar angeben, in welche Richtung der Wagen mit der jungen Frau schließlich weggefahren war.
00:15:43: Danach hatte sich jede Spur von der zweifachen Mutter verloren.
00:15:47: Allerdings nur für die folgenden vier Stunden.
00:15:50: Gegen drei Uhr fünfundvierzig entdeckte man ihren Leichnam an der Hanfelder Road, einer kleinen Landstraße außerhalb und östlich von Granite City gelegen.
00:16:01: Also in der entgegengesetzten Richtung zu Jena, in die Randy ursprünglich gelaufen war.
00:16:07: Zeugen fanden die junge Frau nackt und mit einem völlig zertrümmerten Schädel am Straßenrand.
00:16:13: Jemand hatte mit einem metallen Gegenstand immer wieder auf sie eingeschlagen – und sie schließlich wie Abfall einfach dort abgeladen.
00:16:25: Da es für die eigentliche Tat jedoch keine Zeugen gab und man vor Ort keine weiteren Hinweise wie Reifenspuren, Haare oder Fingerabdrücke fand, gab es kaum Spuren, denen die Ermittler zum damaligen Zeitpunkt nachgehen konnten.
00:16:39: Immerhin!
00:16:40: Ein Vaginalabstrich des Opfers offenbarte nicht nur dass Randy leider wie vermutet vergewaltigt worden war er ermöglichte auch die Sicherung eines ersten DNA Profils die in den frühen, neunzehntneinziger Jahren jedoch noch massiv in den Kinderschuhen steckte.
00:16:59: Entsprechend klein war zum damaligen Zeitpunkt der Pool-angespeicherten DNA-Täterprofilen und auch wenn CODIS das sogenannte Combined Index DNA System des FBI's über die Jahre immer weiter anwuchs und die Probe von Randy Gales Barinos Ermordung dort immer wieder abgeglichen wurde ließt er ersehnete Treffer auf sich warten.
00:17:21: Solange Randy's Mörder keine weitere Straftat begehen würde, sollte man ihm – sofern er den überhaupt noch am Leben war – wohl nie mehr auf die Schliche kommen.
00:17:32: Jake Spoboda fuhr sich frustriert mit beiden Händen über das Gesicht und startte mit übermüteten Augen auf den Bildschirm.
00:17:39: Er hatte so gehofft dass die KI ihm das entscheidende Puzzleteil lieferte, das schließlich zur Ergreifung des Mörders führen würde.
00:17:49: Vielleicht half es Das Täterprofil von der Centerline AI noch einmal mehr eingrenzen zu lassen?
00:17:56: Laut Zeugenaussagen war das Subjekt mit dem dunkelblauen Pickup zwischen thirty-fünfundvierzig Jahren alt.
00:18:02: Heute müsste der Tatverdächtige, also zwischen Mitte sechzig und Anfang siebzig sein – spuckte die KI aus!
00:18:10: Gut, das konnte er selbst auch noch zusammenrechnen… Aber was hatten Sie
00:18:14: noch?!
00:18:15: Gab es Hinweise zum Familienstand des Täters?
00:18:18: Trug er einen Ehring … ein Kindersitz auf der Rückbank?
00:18:23: Negativ, gab die KI auf dem Bildschirm zurück.
00:18:26: Leider finde ich in den Ermittlungsakten keinerlei Hinweise zu Familienverhältnissen oder sonstigen möglichen Verwandten.
00:18:36: Bei der Formulierung «sonstige mögliche Verwandte» öffnete sich abrupt etwas in Jakes Unterbewusstsein.
00:18:43: Er kannte dieses Gefühl, denn es war ihm als Ermittler schon mehrere Male widerfahren und hatte ihn jedes Mal in heller Aufregung versetzt – ein Gefühl als würde jemand in seinem Gedächtnis eine Tür öffnen und einen Scheinwerfer auf etwas richten, was die ganze Zeit dort bereits gelegen hatte.
00:19:02: Und nun endlich sichtbar wurde.
00:19:09: Mai, twenty-fünfundzwanzig.
00:19:13: Die E-Mail vom Orthrem Labor in Texas war während seiner Mittagspause eingegangen, als Jake sich mit einem frisch gezapften Kaffee wieder in seinen Bürostuhl plumpsen ließ.
00:19:23: Fast hätte er sich daran verschluckt, als er auf dem kleinen Briefumschlag klickte.
00:19:29: Sie hatten gleich mehrere Traffer.
00:19:33: Nach seiner Eingebung hatte Jakes Woboda sich näher mit den Möglichkeiten der sogenannten forensisch-genetischen Genealogie beschäftigt, also kurz gesagt mit der Erstellung von Stammbäumen aufgrund genetischer Datenbanken.
00:19:47: In den USA ist dieser Forschungszweig schon längst nicht mehr nur offiziellen Behörden zur Strafverfolgung vorbehalten.
00:19:53: DNA-Proben einsenden und sich daraus einen persönlichen Stammbaum Mit Angaben zu möglichen Vorfahren und ethnischen Anteilen erstellen zu lassen, ist auch im privaten Sektor immer beliebter und ein wachsendes Geschäftsmodell.
00:20:08: Also hatte Jake gefolgert – wenn man das exakte genetische Profil keiner Identität zuordnen konnte dann vielleicht aber einem anderen genetischen Code der diesem ähnlich war und folglich auf einen Verwandtschaftsverhältnis hinwies.
00:20:25: So jemandem herauszufiltern, war wiederum die Aufgabe des Oathrim-Labor in Texas dass sich verdientermaßen damit rühmt, die Aufklärung vermeintlich hoffnungsloser Cold Cases durch forensisch-genetische Genealogie revolutioniert zu haben.
00:20:41: Nachdem das Madison County Police Department das DNA Profil des Täters an das Labor versand hatte wurde es dort direkt ins System eingespeist.
00:20:51: Othrim erzeugte aus der Tatort DNA ein sogenanntes S&P-Profil für genetische Genialogie.
00:20:59: Dieses Profil wurde mit allen verfügbaren DNA-Daten abgeglichen.
00:21:03: Dabei tauchten genetische Verwandtschaften auf, allerdings noch kein unmittelbar enger Verwanter des Täters.
00:21:12: Orthrims Genialogen bauten daraufhin aus diesen Matches Familienstammbäume auf und arbeiteten über gemeinsame Vorfahren und deren Nachkommen weiter.
00:21:22: Dadurch entstanden mehrere mögliche Namen und Profile die als Täter in Frage kamen.
00:21:28: Diese Ergebnisse landeten schlussendlich in dem Bericht, der zurück an die Polizei von Madison County ging.
00:21:34: Und damit lag der Ball wieder im Spielfeld von Jake Spoboda und seinen Ermittlerkollegen – denn nun mussten sie die möglichen Kandidaten noch mit den sonstigen Informationen zum Täter abgleichen!
00:21:47: Wer hatte das passende Alter?
00:21:49: Wer kam aus Granite City und Umgebung?
00:21:52: Und wer fuhr damals einen dunkelblauen Pick-up?
00:21:59: Sein Name war Albert Lee Siggler.
00:22:03: Zum Zeitpunkt von Randy Gays Barino's Ermordung war er genau wie sie, thirty-seven Jahre alt.
00:22:09: Er kam ebenfalls aus der Region von Granite City und lebte in einem Trailerpark, nur einen Katzensprung von dem Pfundort von Randys Leiche entfernt.
00:22:20: Sein Fahrzeug?
00:22:22: Ein Ford Pickup – dunkelblau lackiert!
00:22:26: Als die Ermittler von Madison County ihn im April für das erste Mal aufsuchten und befragten Er holte der mittlerweile siebzigjährige sich gerade von einem Herzinfarkt im Krankenhaus.
00:22:39: Seine Verteidigerin sollte später argumentieren, dass er zu dem Zeitpunkt nicht vernehmungsfähig gewesen sei und den Gespräch hatte kaum folgen können.
00:22:48: Das hat die Detektives jedoch nicht davon abgehalten eine Speichelprobe von Sigla mitzunehmen Und diese brachte schließlich den unwiderlegbaren Beweis.
00:23:00: Albert Lee Sigla hatte Randy vergewaltigt und anschließend brutal getötet.
00:23:06: Angesichts der erdrückenden Beweislast brach auch Segler nach über dreißig Jahren sein Schweigen und gestand die Tat.
00:23:14: Aktuell sitzt er im Madison County Jail, Edwardsville, Illinois in Untersuchungshaft – und wartet auf seinen Prozess!
00:23:23: Auch wenn er bis zur finalen Urteilsverkündung als unschuldig gilt, dürfte der Ausgang seines Verfahrens schon jetzt ziemlich sicher sein … Und er wird den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen… Ein Leben dass er über weite Teile unbehelligt leben durfte, mehr als dreißig Jahre lang.
00:23:43: Womöglich hatte er sich irgendwann in Sicherheit gewiegt und geglaubt, das man ihm jetzt nach so vielen Jahren nicht mehr auf die Schliche kommen würde – ein törichter Irrtum!
00:23:56: Denn auch wenn die Aufklärung des Fals ohne die technologischen Fortschritte von KI-und forensischer Genealogie nahezu unmöglich gewesen wäre, so blieb das erlösende Ergebnis am Ende doch Menschen gemacht weil es Menschen gab, die sich auch nach all dieser Zeit noch immer an Randy Gales Berino erinnerten und in ihrem Namen Gerechtigkeit forderten.
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