Du möchtest deine Werbung in diesem und vielen anderen Podcasts schalten? Kein Problem!
Für deinen Zugang zu zielgerichteter Podcast-Werbung, klicke hier.

Audiomarktplatz.de - Geschichten, die bleiben - überall und jederzeit!

Im Namen der Sonne

Shownotes

Anfang Oktober 1994 werden Feuerwehr und Polizei an mehrere ungewöhnliche Brandorte gerufen – zunächst in Québec, wenig später auch in der Schweiz. Die Schauplätze liegen tausende Kilometer voneinander entfernt, und doch tauchen schon bald dieselben Namen, Symbole und Verbindungen auf. Im Mittelpunkt steht eine geheimnisvolle Gemeinschaft, die sich auf die Tradition der Tempelritter beruft: der Sonnentemplerorden. Gegründet von zwei charismatischen Männern, wächst die Bewegung über Jahre hinweg weitgehend unbeachtet in mehreren Ländern. Doch hinter spirituellen Vorträgen, geheimen Ritualen und der Vorstellung eines bevorstehenden „Transits“ entwickelt sich etwas, dessen mörderisches Ausmaß erst im Herbst 1994 sichtbar wird…

Zum Thema Sekten und Psychogruppen findet ihr in Deutschland u.a. folgende Unterstützungsangebote:

Sekteninfo Berlin

Sekteninfo NRW

Gefahren durch Sekten und Psychogruppen Hamburg

Entschwört - Beratung bundesweit

Und wenn ihr uns unterstützen wollt, hinterlasst gerne Kommentare und positive Bewertungen oder empfiehlt uns weiter. Vielen Dank!

Unsere Empfehlungen für sichere Nächte: https://amzn.to/4yDSAXS

Und nach einer besonders aufwühlenden Folge empfehlen wir euch: https://amzn.to/4i148hS

Unter diesem Link findet ihr all unsere Werbepartner: https://linktr.ee/schauerstoff.podcast

Wenn ihr Anfragen zur Vermarktung oder Feedback habt, dann schreibt an: podcast@schauerstoff.com

Zur aktuellen Folge:

Der Sonnentemplerorden – eine skrupellose, völlig verblendete internationale Gemeinschaft um Luc Jouret und Joseph Di Mambro, rätselhafte Brände in Québec und der Schweiz im Oktober 1994 und die Frage, was hinter dem sogenannten „Transit“ wirklich steckte.

Du möchtest deine Werbung in diesem und vielen anderen Podcasts schalten? Kein Problem!
Für deinen Zugang zu zielgerichteter Podcast-Werbung, klicke hier.

Audiomarktplatz.de - Geschichten, die bleiben - überall und jederzeit!

Transkript anzeigen

00:00:09: Schauerstoff.

00:00:11: Der Grusel-Podcast für schlaflose Nächte Im Namen der Sonne Triggerwarnung.

00:00:25: Bevor wir beginnen, ein kurzer Hinweis In dieser Folge geht es um eine Sekte und in diesem Zusammenhang um psychische Manipulation Gewalt Mord Und Suizid.

00:00:40: Wenn euch solche Inhalte belasten hört die Folge bitte nur wenn ihr euch damit wohl fühlt Und falls ihr selbst Teil einer religiösen oder weltanschaulichen Gemeinschaft seid, die eure Würde-, Grundrechte- oder körperliche Unversehrtheit nicht achtet und aus der ihr euch lösen möchtet – oder falls ihr euch Sorgen um einen Angehörigen macht.

00:01:02: Ihr müsst damit nicht allein bleiben!

00:01:06: Jedes Bundesland und zahlreiche Städte in Deutschland haben eigene Informations- und Unterstützungsstellen zu Sekten und sogenannten Psychogruppen wo Betroffene, Aussteiger und Angehörige vertraulich beraten werden.

00:01:22: Einige weiterführende Links dazu findet ihr in den Shownotes.

00:01:30: Gérard Carrier hielt sich ein Taschentuch vor dem Mund und hustete, damit die feinen Russpartikel in der Luft sich nicht in seiner Lunge verfingten.

00:01:40: Gleich würde er vor die Presse treten müssen – und brauchte dafür eine klare Stimme!

00:01:45: Außerdem knurrte sein Magen, weil er den ganzen Morgen- und Vormittag noch nicht zum Essen gekommen war Aber das musste jetzt warten.

00:01:54: Die Nachricht über den Brand auf dem Schimmer Belisle in Morinheids, eine kleine reiche Gemeinde etwa fünfzig Kilometer vor den Toren Montreals hatte sich wortwörtlich wie ein Lauffeuer verbreitet.

00:02:09: Hier in der Quebecchen Provinz war das Land jenseits der Großstadt dünn besiedelt und wahrscheinlich hat er sich ohnehin unter der Bevölkerung per Mundpropaganda bereits herumgesprochen was Karrier gleich als offizieller Polizeisprecher bekannt geben würde.

00:02:24: Die Villa von Lyc Jauré, einem einflussreichen belgischen Arzt der sich hier auf kanadischem Boden eine Immobilie geleistet hatte war teilweise bis auf die Grundmauern abgebrannt.

00:02:39: Das eigentlich Interessante außergewöhnliche und verstörende an dem Brand wussten Presse- und Bevölkerung allerdings noch nicht Denn schon zuvor war Lyc Juré nicht nur wegen seines Geldes und Einflusses bei der örtlichen Polizei bekannt gewesen.

00:02:55: Er war zuletzt auch kriminell auffällig geworden und hatte bereits ein Verfahren gegen ihn, wegen illegaler Waffenbeschaffung hinter sich.

00:03:04: Er und zwei weitere Personen hatten sich verschiedene Schusswaffen- und Schalldämpfer besorgt – angeblich für Selbstverteidigungsübungen, bei denen man die Nachbarn möglichst nicht stören wollte.

00:03:15: Doch der Brand seines Chalets offenbarte, dass Jury weitaus dunklere Ziele verfolgt hatte.

00:03:23: Zunächst hatte die eintreffende Feuerwehr sehr schnell feststellen müssen, dass die Villa nicht zufällig abgebrannt war.

00:03:30: Zahlreiche leere Benzinkanister und diverse ausgeklügelte Zündvorrichtungen in verschiedenen Räumen belegten, das hier niemand etwas dem Zufall überlassen hatte – es war ganz eindeutig Brandstiftung gewesen!

00:03:44: Und als Polizei- und Feuerwehr schließlich das Schlafzimmer des Anwesens betraten oder vielmehr was davon noch übrig war, fiel ein erstes großes Puzzleteil Mord- und Suizidserie, die sich in den kommenden drei Jahren über zwei Kontinente bzw.

00:04:02: drei Länder erstrecken sollte an seinen Platz.

00:04:08: Auf dem verkohlten Bett lag eine bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leiche.

00:04:13: Direkt daneben auf dem Boden fanden die Einsatzkräfte einen weiteren toten Körper der ebenfalls unmöglich zu identifizieren war.

00:04:21: Ob es sich um Lycchoree handelte – möglicherweise mit einer bisher unbekannten Lebensgefährtin Vermochte man für den Moment nicht zu sagen.

00:04:30: Der Leitende Ermittler hatte Gérard Carrier bereits erläutert, dass sie vermutlich Zahnunterlagen brauchen würden um die Opfer eindeutig identifizieren zu können.

00:04:41: Da wurde es plötzlich unruhig um die Fundstellen der beiden Leichen.

00:04:44: Ein Kriminaltechniker in weißem Overall hatte offenbar eine besondere Entdeckung gemacht.

00:04:50: Angespannt trat Carrier näher heran und beugte sich über den Leichnam auf dem Bett.

00:04:57: Sehen Sie sich das an sagte der Kriminaltechniker und deutete mit seinem Latexhandschuh auf die Brust des Opfers.

00:05:04: Unter einer verkohlten Schicht von Textilien, vermutlich dem Hemd des Opferes blitzte etwas Metallines auf.

00:05:12: Der Techniker zückte eine langstielige Pinzette und zog das glänzende Objekt vorsichtig hervor.

00:05:19: Es war ein goldenes Medaillon – mit einem sonnenförmigen Symbol sowie den eingravierten Buchstaben T und S. Sagt Ihnen das was?

00:05:29: fragte der Kriminaltechniker und drehte sich neugierig zu den beiden Polizisten hinter ihm um.

00:05:36: Sowohl der leitende Ermittler als auch der Pressesprecher nickten.

00:05:40: Natürlich wussten sie, was T und S bedeutete.

00:06:06: ein wertvolles Modell von nineteenhundertfünfundsechzig, das ihm in seinen früheren Tagen als Juwelier immer einen Hauch von Glamour und Exklusivität eingebracht hatte.

00:06:16: Aber bald war er es leid geworden – sich Tag-eintag aus mit Verlobungsringen, angelaufenden Goldketten oder Perlenohrsteckern zu beschäftigen.

00:06:26: Viel zu oft hat er ja in seiner Werkstatt gesessen, hochkarätige Edelsteine durch seine Lupe betrachtet und war ins Grübeln gekommen Über sich selbst und seine bescheidene Existenz insbesondere, aber auch über die großen Fragen des Universums.

00:06:42: Sein eigenes monotones Leben und das unaufförliche Zerrinnen der Zeit während die Welt sich unbarmherzig weiter drehte.

00:06:50: Das alles war ihm sinnlos und querlend vorgekommen.

00:06:54: Da musste doch mehr dahinter stecken!

00:06:56: Es mußte etwas Größeres geben auf das die menschliche Existenze auf Erden unweigerlich zusteuerte.

00:07:05: Also hatte er angefangen sich mit Esoterik, New Age, Rosenkreuzertum und vor allem mit der Mythologie den mittelalterlichen Tempelritter zu beschäftigen.

00:07:16: Seine Faszination für Spiritualität und ein alternatives Weltbild nahm immer mehr Form an, sodass er schließlich seinen Handwerksberuf an den Nagel hängte – und in deiner Zeit eine eigene Organisation gründete.

00:07:30: Die Golden Wave Foundation.

00:07:34: Nach außen war die Golden Wave foundation zunächst erstaunlich unverfänglich.

00:07:39: Sie erklärte offiziell, Forschung und Bildung zu fördern – insbesondere für körperliche und geistige Gesundheit auf natürlichem Wege, persönliche und spirituelle Entwicklung sowie Umweltschutz.

00:07:51: Ziel sei eine bessere Zitat Integration- und Harmonisierung des Menschen mit Leben, Fortschritt und Evolution gewesen.

00:08:00: Intern ging es aber um deutlich mehr!

00:08:03: Die Gemeinschaft um die Mambro glaubte, dass die Welt bzw.

00:08:07: das Universum vor einer grundlegenden Transformation stünde.

00:08:12: Durch die Teilnahme am Golden Way sollten Mitglieder ihren Körper und Geist auf den Übergang in eine neue Welt bzw ein neues Zeitalter vorbereiten.

00:08:22: Golden Way hatte dabei praktisch zwei Ebenen – nach außen gab es kulturelle Veranstaltungen, Vorträge und Treffen, die auch Außenstehenden offen standen.

00:08:32: Im inneren Kreis fanden esoterische Rituale mit rosenkreuzerischen und neotemplärischen Elementen statt.

00:08:42: Derweil waren die Anhänger von anderen neotemplerischen Strömungen und Gemeinschaften in Europa bis dato stark zersplittert – und teilweise auch zerstritten.

00:08:51: Joseph, die Mambros anliegen, war es daher auch gewesen, die verschiedenen Gruppen wieder zusammenzuführen.

00:08:58: Also hatte er am besagten XXI.

00:09:00: März, in seiner großzügigen Villa am Rande von Genf die Vertreter mehrerer isoterischer Tempiriterorden zu sich eingeladen.

00:09:10: Mit Erfolg!

00:09:12: In einer feierlichen Zeremonie erneuerten sie ihre Treue zum Orden des Tempels und schworen einem geheimnisvollen, dreiundzwanzigsten ukulten Großmeisters unsterbliche Treue, dessen Erscheinen noch bevorstehen sollte.

00:09:26: Jahre später wird Josef Dimamro genau diesen Tag zum Geburtsmoment des Temples Solaire – also des Sonnentemplerordens – erklären.

00:09:38: Denn zu dieser geheim bündlerischen Veranstaltung war auch Lyc Jauré erschienen.

00:09:43: Der belgische Arzt hing denselben ideologisch verqueren Glaubenssätzen an wie die Mambo, hatte aber einen entscheidenden Vorteil.

00:09:50: Während der ehemalige Juvelier mehr Sinn für das Geschäftliche hatte, war Lück Jauré charismatisch, konnte spannende Vorträge halten, Menschen für sich einnehmen und vor allem neue Mitglieder anwerben und gewinnen.

00:10:04: Jaurés selbst hatte zu Beginn der neunzenhundertachtiger Jahre zahlreiche Vorträge in Seminare zur Gesundheit, Homöopathie, Spiritualität und New Age gehalten.

00:10:15: Gleichzeitig war er Mitglied im ORT, dem Ordre Renové du Templer – was auf Deutsch soviel hieß wie Erneuerter Orden des Tempels.

00:10:24: Als dessen Anführer.

00:10:25: in den letzten Jahren übernahm Jury zunächst die Führung.

00:10:30: Seine Stellung wurde jedoch von Angehörigen bzw.

00:10:33: anderen Mitgliedern des ORT angefochten, woraufhin Jury den Ordengüter verließ und sich fortan nach einer neuen Glaubensgemeinschaft umsa.

00:10:45: Es schien also wie ein Wink des Schicksals, als Jury und DiMambro sich begegneten.

00:10:50: Und über die Jahre immer enger zusammenarbeiteten.

00:10:53: Ihr gemeinsamer Glaube an eine spirituelle Neuordnung der Welt – und an einen bald anbrechenes neues Zeitalter führte in den letzten Jahren im Jahr fourtend neunzehntet vierundachtzig schließlich zu der offiziellen Gründung «Der Taumple Solaire».

00:11:06: Ähnlich wie schon bei DiMampros Golden Way Foundation, wichen sie nach außen kommunizierten und nach ihnen zelebrierten Ziele der Gemeinschaft mit der Zeit immer weiter voneinander ab.

00:11:16: Offiziell sollten die Mitglieder sich spirituell auf ein neues Zeitalter vorbereiten, dem Materialismus entsagen und an einer geistigen Transformation der Menschheit mitwirken.

00:11:28: Viele Jahre blieb es bei diesen durchaus wagen Zielsetzungen – und die Sonnentempler wuchsen bis Ende der neunzenhundertachtziger Jahre auf etwa vierhundertfünfzig Mitglieder an!

00:11:39: Dann jedoch begann die Glaubwürdigkeit von Di Mambro & Lyc Jauré immer weiter zu bröckeln Um sich selbst als herabgesannter Großmeister zu inszenieren, hatte die Mambro etwa bei feierlichen Messen technische Tricks angewandt.

00:11:52: Die einige Mitglieder – sein eigener Sohn eingestossen – schließlich entlarvten und sich deshalb von der Gemeinschaft abwanden.

00:12:01: Viele fühlten sich betrogen, verlangten ihr Geld zurück und stellten weitere Zahlungen an den Orden ein.

00:12:08: Die Mambros und die weitere Führungselite.

00:12:10: der Sonnentemplar geriet zunehmend unter Druck zeigte sich jedoch wenig einsichtig oder deeskalierend.

00:12:17: Stattdessen suchten sie die Schuld für ihre Niedergang in einer bösen Außenwelt, die sich angeblich zunehmend gegen sie verschworen hatte und aus deren Fängen es sich zu entziehen galt.

00:12:30: Ab nineteenhundertneunzig propagierte die engere Führung der Sonnentempler daher seinen Anhängern das Die Erde dem Untergang beziehungsweise einer fundamentalen Veränderungen entgegensehe – und ausgewählte Mitglieder durch einen sogenannten Transit in eine höhere Existenz wechseln könnten.

00:12:49: Mit Transit bezeichneten die Sonnentempler den angeblichen Übergang aus der irdischen Existenze, in einer höhere spirituelle Daseinsform.

00:12:59: Nach ihrer Lehre war der menschliche Körper nur eine vorübergehende Hülle – das eigentliche Selbst sei die Seele!

00:13:06: Diese könne dem Körper verlassen und auf einer höheren Ebene weiter existieren.

00:13:11: In den letzten Jahren des Ordens verband die Mambro diese Vorstellung zunehmend mit Sirius, dem hellsten Stern am Nachthimmel.

00:13:20: Dort – so glaubte beziehungsweise lehrte die Führung – befinden sich höhere geistige Wesen, die sogenannten Ascended Masters.

00:13:29: Beim Transit sollten ausgewählte Mitglieder ihre irdischen Körper zurücklassen und auf Sirius neue, sogenannte solare Körper erhalten gewissermaßen eine spirituelle Transformation zur Unsterblichkeit.

00:13:45: Das Fatale an all diesen Beschreibungen war jedoch, der Begriff Transit verschleierte innerhalb der Gruppe die tatsächliche Bedeutung.

00:13:54: Tod durch Mord oder Suizid In einem Initiationsritual des Ordens hieß es ab nineteenhundertneinzig bereits Der Tod sei lediglich eine Illusion und man müsse bereit sein Die Erde zu verlassen Und auf einer unsichtbaren parallelen Ebene weiterzuleben.

00:14:12: Man bereitete die Mitglieder also von nun ein systematisch darauf vor dem irdischen Leben zu entsagen, mit der Versprechung auf eine verheißungsvolle Zukunft in einer bisher unbekannten Zwischenwelt.

00:14:24: Dieser Umschwung ihres zentralen Paradigmas sollte in den kommenden Jahren dutzende Menschen das Leben kosten.

00:14:35: Vierter Oktober, nineteenhundertvier neunzig kurz vor Mitternacht, Schiri ein kleines Dorf in der Schweiz wie noch am Morgen des selben Tages in Morin Heights, Quebec Nur durch tausende Kilometer an sechs Stunden Zeitverschiebung getrennt, durchbrachen auch hier zahlreiche Blaulächter und Sirenen die Nacht.

00:14:58: Der malerische und beschauliche kleine Ort Schiri im schweizerischen Kanton Fribour bekam selten mediale Aufmerksamkeit – doch in den folgenden Tagen würde die internationale Presse sich Seinetwegen mit schockierenden Meldungen geradewegs überschlagen!

00:15:15: Für den Moment kündigten nur Rauch- und Flammen von einer schrecklichen Katastrophe.

00:15:21: Die Farm Larouchette rannte lichterloh.

00:15:26: Was zunächst wie ein tragischer Unfall nach außen wirkte, entfaltete sich als grausames Werk einer völlig entrückten und besessenen Glaubensgemeinschaft.

00:15:35: Im Zuge der Lösch- und Aufräumarbeiten stießen Polizei und Feuerwehr auf insgesamt dreiundzwanzig Leichen.

00:15:42: Das Verstörende?

00:15:44: Niemand von ihnen war in den Flammen gestorben.

00:15:47: Viele von ihnen waren zuvor niedergeschossen worden.

00:15:50: Das rekonstruierte man aus insgesamt zweiundfünfzig Patronenkugeln, die auf die Mitglieder abgefeuert worden waren.

00:15:58: Andere wiederum lagen kreisförmig auf dem Boden mit Plastiktüten über ihren Köpfen.

00:16:03: Sie waren in dem Glauben an ein vermeintliches alternatives Leben qualvoll erstickt und der verheerende Fund in Shiri sollte noch nicht das Ende des Massensterbens im Namen eines mörderischen Ordens sein.

00:16:16: – nur drei Stunden später gegen zwei Uhr achtundfünftig Am fünften Oktober, nineteenhundertvierundneunzig wurde die Polizei in Martinie über einen brennenden Chaletkomplex oberhalb von Salvant informiert.

00:16:33: Einer ebenfalls kleinen Schweizer Gemeinde nur rund einhundert Kilometer von Chiris entfernt.

00:16:39: Als Polizei und Feuerwehr eintrafen standen drei Chalets in Flammen.

00:16:43: Bei zwei der Gebäude waren die Fensterleden von außen festgenagelt Und die Türen verschlossen.

00:16:51: Nach der Löschung des Feuers bot sich den Einsatzkräften vor Ort ein ähnlich zerstörerisches Bild wie Inchiri.

00:16:59: In zwei von den drei Häusern fand man insgesamt fünfundzwanzig Leichen, anders als in Chiri war es jedoch anscheinend vor dem Ausbruch des Feuers nicht zu zahlreichen Toten durch Erschießen oder Ersticken gekommen.

00:17:11: Stattdessen fand man bei der späteren Obduktion der Leichen vielfach Hinweise darauf das Betäubungsmittelmixturen unter anderem aus Kurare einem Opioid und einem Benzodiazepin verabreicht worden waren.

00:17:27: Bei der Rekonstruktion der jeweiligen Brandursachen stießen Feuerwehr und Polizei in den folgenden Tagen auf einen schockierenden Zusammenhang.

00:17:35: Der erste Brand ins Chiris war, ähnlich wie das Feuer im Tausende Kilometer entfernten Moran Heights durch zahlreiche Zündvorrichtungen- und Benzindepots auf dem gesamten Farmgelände vorbereitet worden.

00:17:48: Dieses ausgeklügelte Zündsystem von welchem allerdings nur ein Teil aktiviert worden war, war an die Telefonanlage angeschlossen gewesen.

00:17:56: Später fand man heraus, dass das Feuermittels eines Codes ausgelöst worden war.

00:18:01: Dass jemand während eines Anrufs bei der Farm mit seinem Mobiltelefon eingegeben hatte.

00:18:07: Dieses MobilteLEfon gehörte einem Mann namens Joel Eggers, einem hochrangigen Mitglied der Sonnentemplar und zu dem Zeitpunkt als dessen fataler Anruf auf der Farm in Chiris einging befand Eggers sich wie sollte es anders sein im einhundert Kilometer entfernten Salvant wo er bereits sein eigenes Ableben und das von vierundzwanzig weiteren Menschen akribisch vorbereitet hatte.

00:18:34: Als man die Toten von Selvon eine nach dem anderen identifizierte, entdeckte man neben Joël Eggers schließlich die wichtigsten Köpfe der Taumpe Solaire – Josef de Mamboe und Luc Jauré.

00:18:46: Letzterer hatte offenbar Zugang zu einem ähnlichen Zündsystem wie man es bereits in Morin Heights und Chéri vorgefunden hat mit dem Unterschied Das Jury, die weitläufige Konstruktion aus Benzinkanistern und Campingkochern offenbar von seinem privaten Schlafzimmer in einem der Chalets ausaktiviert hatte.

00:19:07: Nach den Gräueltaten von Moran Heights, Chiris und Salvon folgten noch weitere orchestrierte Massentötungen.

00:19:15: Im Dezember nineteenhundertfünfundneunzig wurden in einem kleinen Ort nahe der französischen Stadt Grenoble sechzehn weitere Mitglieder tot aufgefunden.

00:19:25: Die Leichen lagen sternförmig angeordnet viele Wiesen-Schussverletzungen auf und waren verbrannt.

00:19:31: Hinzu kamen fünf weitere Menschen, die im März, nineteenhundertseinundneunzig wiederum in Quebec, Kanada für die Sonnentemplar in den Tod gingen.

00:19:42: Damit stieg die Opferzahl des Ordens auf insgesamt seventyvier Mitglieder – bevor sich die Strukturen der Sekte endgültig auflösten und die Ermittlungen in allen drei Ländern eingestellt wurden ohne dass es zu Anklagen und Verurteilungen kamen.

00:19:57: Jeder den man hätte belangen können, war tot.

00:20:04: Die Tatsache, dass so viele Menschen von einer Organisation derart sinnlos in den Tod getrieben oder gerissen worden ohne das hinterher überhaupt eine richtige juristische Aufarbeitung möglich gewesen wäre bringt neben absoluter Fassungslosigkeit Fragen an die Oberfläche, die nicht minder schmerzhaft sind.

00:20:24: Wie konnte es sein, dass reihenweise Menschen sich diesem destruktiven Kult überhaupt angeschlossen hatten?

00:20:30: Warum waren sie nicht vorher ausgestiegen, hatten Anzeige erstattet oder sich anderweitig Hilfe gesucht.

00:20:37: Diese Menschen waren nicht dumm, leicht bläubig oder außergewöhnlich einfach zu manipulieren.

00:20:43: Unter den jeweiligen Umständen kann wohl kaum jemand von sich behaupten er wäre gegen die psychologische Vereinnamung von Sekten immun.

00:20:51: ein Schicksalsschlag eine existenzielle Krise das Gefühl endlich gesehen und anerkannt zu werden Das alles macht Individuen empfänglich dafür, sich Gemeinschaften anzuschließen, die sinnstiftend und auffangend wirken.

00:21:08: Doch nicht alle religiösen oder weltanschaulichen Vereinigungen führen Gutes im Schelde – manche führen ihre Anhänger direkt bis an den Abgrund!

00:21:21: Auch im Falle der Sonnentempler waren die Mitglieder des Ordens ihren Anführern keineswegs blind bis zum Ende gefolgt.

00:21:28: Die zahlreichen Erschießungen und Erstickungen mittels Fesseln- und Plastiktüten über dem Kopf waren keine Freitode.

00:21:35: Es waren Hinrichtungen im Namen einer Ideologie, an die sie selbst längst nicht mehr glaubten.

00:21:43: Immer wieder berichten Aussteiger wie schwierig es ist sich aus sektenartigen Vereinigungen zurückzuziehen und die Bande zu kappen.

00:21:51: Nicht selten sind Drohungen, Erpressungen oder körperliche Gewalt die Folge.

00:21:57: auch im Falle der Templis Solaire schien ein Ausstieg aus dem Orden faktisch unmöglich zu sein.

00:22:03: Als nach dem Brand des vierten Oktoberes, in Moron Heights, Quebec, Kanada die Ermittlungen ins Rollen kamen stellte man zunächst fest dass es sich bei den zwei verbrannten Leichen im Haus nicht um dessen Besitzer Lycchuré und eine Lebensgefährtin handelte sondern um Jerry & Collette Genou – Ein weiteres Anhängerpaar der Sonnentempler.

00:22:26: was die Genous allein in Jurys Haus wollten und warum sie ausgerechnet dort den Freitod gewählt hatten, erschloss sich den Ermittlern zunächst nicht.

00:22:35: Klar war, dass der Brand in Moran Heights eindeutig mit den mörderischen Ereignissen in der Schweiz nur wenige Stunden später zusammenhängen.

00:22:43: Warum also waren die Genus nicht gemeinsam mit Jury in die Schweiz geflogen um dort an der tödlichen Massenzeremonie teilzunehmen?

00:22:52: Die Antwort sollte sich den Einsatzkräften nur zwei Tage später offenbaren.

00:22:57: Im Zuge der Aufräumen arbeiten Fand man am sechsten Oktober, in dem abgebrannten Chalet in Morrin Heights unter der Treppe ins Obergeschoss einen kleinen Verschlag.

00:23:08: Darin lagen drei weitere Leichen.

00:23:10: Ihre Namen waren Niki, Tony und Christopher Dutua.

00:23:15: Es war eine kleine Familie mit einem erst dreimonateralten Baby gewesen.

00:23:20: Man fand ihre toten Körper mit zahlreichen Stichverletzungen und Plastiktüten über.

00:23:25: den Köpfen waren ehemalige Mitglieder der Taumpe Solaire gewesen.

00:23:32: Toni hatte zeitweise sogar eng mit die Mambur zusammengearbeitet und war für die technischen Tricks zuständig gewesen, wenn der Anführer der Sekte sich vor seinen Anhängern mal wieder als göttliche Erscheinung inszenierte.

00:23:46: Zuletzt hatten sie sich immer weiter von dem Orden distanziert und waren schlussendlich ausgestiegen – oder vielmehr?

00:23:53: Sie hatten es versucht!

00:23:55: Dass es ihnen nicht gelungen und sie von den Sonnentemplern für ihren Ausstieg mit dem Tode bestraft worden waren, zeigt vor allem eines.

00:24:04: Moralische Grenzen unterliegen bei ideologischen Vereinigungen wie den Tamples solaire stets dem gemeinsamen höheren Ziel – so absurd und weltendrückt dieses auch sein mag!

00:24:17: Das Leben und die persönlichen Rechte des Einzelnen zählen hier absolut gar

00:24:22: nichts.".

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.